Freitag, 18. Dezember 2009

Die Selbstabdankung des Westens V: Der Brudermord

Der Antisemitismus ist die europäische Kulturkonstante, er scheint sich durch die Jahrtausende in die europäische "Volkssubstanz" eingefressen zu haben. Er ist so tief verankert, dass man von einem unbedingten Reflex im rein biologischen Verständnis sprechen kann, er setzt keine Reflexionen voraus.
Für die Juden war Europa nie ein sicherer Ort, Zeit ihrer Existenz kämpften sie hier ums Überleben, heute können sie immerhin unter massivem Polizeischutz in die Synagoge gehen. Doch die Intellektualität der europäischen Völker, besser, was vom intellektuellen Erbe der Aufklärung und des Humanismus übrig geblieben ist, imponiert allerdings und zwingt zum Mitleid, lässt einen gewissen Grad an Seelenverwandschaft spüren. Die gegenwärtige, kaum umkehrbare Katastrophe der Eurpäischen Völker ist tragisch, und die Juden koennen das nicht ohne Mitleid beobachten, denn es stirbt vor unseren Augen eine wichtige Quelle der Kultur, Wissenschaft, des Fortschritts aus. An ihre Stelle wird sehr bald die Finsternis des Islam treten. Beiden, den Juden und Christen zusammen, ist um den Hals die Schleife des Islam gewickelt, aber anstelle diese Schleife in einer gemeinsamen Kraftanstrengung zu zerbeissen, beissen sie sich darin gegenseitig bis zum Tode: UNO, EU, Systemmedien, Goldstone, Galloway, "Menschenrechtler", Friedensbeweger, politisch korrekte, Linksfaschisten, Heuchler, moralische Missgeburten. Sie verstehen nicht oder blenden aus, dass mit Israel der erste Dominostein der jüdisch-christlichen Zivilisation fallen könnte.
Das Verhaeltnis Europas zu Israel ist von einer gewissen Schizophrenie gepraegt: man bekennt sich reflexartig und bei jedem moeglichen Anlass zum "Existenzrecht Israels", und untergraebt dieses eben dadurch. Etwas, was staendig in seinem Existenzrecht bestaetigt werden muss, ist nicht selbstverstaendlich, ist strittig, diskutabel. Wenn man das bewusst betreibt, dann ist das eine subtile Delegitimationskampagne mit der langfristigen, vielleicht sogar intendierten, Folgewirkung der Aufloesung des juedischen Staates. Es gibt nicht viele Nationen auf der Erde, die auf eine vergleichbar lange Geschichte zurueckblicken koennen, auch die Geschichte staatlicher Souveraenitaet, wie das juedische Volk im Lande Israel. Hier ist die moralische Wiege des Zivilisation, der Vorstellungen von Gut und Boese. Und die auf der Basis des Juedentums erwachsenen westlichen Kulturen, betonen jetzt - nach vielen gescheiterten Versuchen sie zu vernichten - das Existenzrecht ihrer "älteren Brüder" [so der Gerechte Johannes Paul II über das Volk Israel] . Das ist absurd.
Es ist unbestreitbar, dass der Antiisraelismus zum neuen Ventil für die unbändige Energie der Antisemiten geworden ist, die mit dem Totschlagsargument, "man wird doch wohl auch Israel...!" die etwas modernisierte und aufgeklaerte, aber immer noch im Kern die selbe Hetze gegen die Juden weiter betreiben. Aber seine Totalitaet erreicht der Antisemitismus nicht durch die poebelnde aber ehrliche Minderheit, die sagt was sie denkt, sondern durch die schweigende Mehrheit, die eben das nicht tut.
Die Rhetorik der europaeischen Politiker und Medien ist durchsetzt mit den heuchlerischen Bekenntnissen zum "Existenzrecht des Staates Israel". Der gegenwaertige deutsche Staat ist nämlich erst ein Jahr spaeter als der gegenwaertige juedische (wieder)gegruendet worden. Und ist denn ueberhaupt in Bezug auf irgend einen anderen Staat auf der Welt von seinem Existenzrecht die Rede? Das Existenzrecht Istaels muss aus dem politischen Diskurs herausgenommen werden und in die latente Struktur deutscher und europaeischer Politik zurueckkehren, ebenso wie das Existenzrecht des deutschen, franzoesischen oder schwedischen Staates. Weil es strikt kontraproduktiv ist - wenn man es denn mit Israel ehrlich meint. Das Existenzrecht ist fuer eine Nation zu wenig, es ist sogar weniger als das Lebensrecht, denn zum Leben gehoert ja auch noch ein gewisses Mass and Wuerde, Wohlstand und Sicherheit dazu. "Existiert" hat das juedische Volk aber in Auschwitz auch. Israel sollte sich nicht mit dem Existenzrecht abspeisen lassen.
Es ist tragisch, dass die größte Katastrophe des Judentums nicht in der Geschichte, sondern in der Zukunft liegen könnte. In Israel ist man sich relativ sicher, dass die Schoah und 200 Nuklearsprengköpfe seine Lebensversicherung für die Ewigkeit seien: die Schoah mahnt und appelliert an das Mitleid und Gewissen, die Sprengköpfe schrecken ab. Aber wir täuschen uns gewaltig: die Feinde der Zivilisation haben kein Gewissen und sie haben keine Angst, weil sie keine Achtung vor dem Leben haben. Der eliminatorische Islam ist vom Todeskult geprägt. Wir sind vom Wunschdenken geprägt, wir wissen von der Singularität der Schoah und projezieren diese Singularität in die Zukunft - zuunrecht, denn sie gilt nur für die Vergangenheit. Alle globalen politischen Entwicklungen deuten auf die zweite Katastrophe, auf das zweie Massensterben der Juden hin. Nach alldem was täglich geschieht und noch geschehen wird, haben die Juden keine guten Chancen, im gelobten Land ihrer Väter zu überleben. Denn genauso wie in der Schoah, aber auch in den letzten 60 Jahren seiner Staatlichkeit, wird auch diesmal niemand, kein souveräner Staat Israel in seinem Überlebenskampf beistehen. Europa z B gleicht einem im Zoo gezüchteten Löwen, dem jegliches Gefühl der Gefahrenerkennung fehlt und der von der ersten Hyäne verspeist wird, sollte er in die Savanne entlassen werden. Viel bequemer ist es deshalb, wohlfeil gegen die "israelische Besatzungspolitik" zu polemisieren. Der politisch korrekte Europäer und der fanatische Islamist - fuer den ewigen Juden haben beide wenig uebrig.
Nur ein Wunder und eine beispiellose Kraftanstrengung und viel Mut koennen die Entwicklung bremsen oder umkehren, ein Gesalbter, ein König, ein starker, zäher religiös-national gesinnter Führer kann die zweite Katastrophe abwenden. Dieser ist in der verderbten politischen Wirklichkeit dieses Staates Israel, im Sumpf der Drogen, Prostitution, Korruption, des Kaufs und Verkaufs der politischen Hampelmänner durch die Mächtigen des Kapitals nicht in Sicht. Netanyahu hat die verhaengnisvolle Rueckentwicklung Israels zum kuemmerlichen Rest nicht umgekehrt, aber jedenfalls zu bremsen versucht. Er soll diesen ersten Schritt mit dem Endziel des langen Weges nicht verwechseln, der Wiederherstellung der Souveraenitaet der Soehne Israels im Land Israel.

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