Montag, 21. Dezember 2009

Israel trinkt zu viel

Die grosse Aliyah anfang der 90er Jahre aus der Ex-Sowjetunion hat Israel in den Bereichen High-Tech, Wirtschaft, Kultur und Kunst, Medizin und nicht zuletzt Verteidigung weltweit auf Spitzenpositionen gebracht.

Andererseits auch in der Trinkkultur. In den 80ern gab es in den israelischen Supermaerkten eigentlich nur 2 Vodkasorten: “Gold” und “Keglevitsh”, und auch die standen jahrelang verstaubt in den Regalen: die Israelis konnten dem Tinken nicht viel abgewinnen. Bis die "Russen" kamen.
Wenn man heute die Spirituosenregale israelischer Supermärkte anschaut, wird einem schwindelig, die Vielfalt von Vodka-, Wisky- und Co. ist nicht mehr ueberschaubar . Von allerlei Alkopops und sonstigem Zeug mal abgesehen. Heute säuft zwar ein israelischer Jugendlicher seinen altergenossen aus Russland oder Deutschland vielleicht nicht gleich unter den Tisch, aber kann gut mithalten. Nirgends in der "zivilisierten" Welt ist der Alkoholkonsum so exzessiv geworden, wie in Israel. Wenn man sich am Freitag Abend auf die Strasse ins tel aviver Nachtleben traut, dann kommt kaum eine Jugendlichen-Gang vorbei ohne, dass einer von den Dreien eine 1,5 L Absolut oder Finlandia in der Hand hält. Fuer den Weg bis zur Disko reichts meistens. Bei den äthiopischen Jugendlichen sieht das besonders exotisch aus.

Nach dem es Israel beim Alkoholkonsum bei den unter 11-Jaehrigen auf Platz 2 weltweit geschafft hat, sieht Israels Regierung Handlungsbedarf. Ein Gesetzesentwurf soll demnaechst der Knesset zur Abstimmung vorgelegt werden. Demnach sollen alkoholhaltige Getränke erst ab 21 Jahren verkauft werden duerfen, und in den Nachtstunden zwischen 23 und 7 Uhr gar nicht. Ob diese restriktiven Massnahmen sich beim Problem des Jugendalkoholismus in Israel als effektiv erweisen, ist fraglich, evtl. geringfügig schon.

Es ist sicherlich nicht die Frage des ob sondern des rechten Masses. Durch Alkoholmissbrauch also seinen systematischen und exzessiven, suchtähnlichen Konsum werden meistens Perspektiv- und Orientierungslosigkeit, soziale und psychische Probleme ertränkt. Aber da sind von der Politik ganz andere Gesetze in ganz anderen Bereichen gefordert.

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