Dienstag, 26. Januar 2010

Beinahe-Panne in den israelisch-russischen Beziehungen

Es ist unter den Historikern unumstritten, dass der zweite Weltkrieg nicht etwa durch die hochgepriesene Landung in der Normandie oder gar die französische "Resistance" und ähnliche Witze der Geschichte, sondern ausschliesslich an der Ostfront entschieden wurde. Am 27 Januar 1945 befreite die Rote Armee das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Ob das früher hätte geschehen können, steht auf einem völlig anderen Blatt. Aber es ist durch die sowjetische Armee geschehen. Das russische oder besser "sowjetische" Volk trug die Hauptlast und die Hauptverluste des Krieges gegen den Nationalsozialismus. Vor diesem Hintergrund wäre es ein diplomatisches Debakel, wenn zu diesem Anlass, dem 65 Jahrestag der Auschwitz-Befreiung, der Staatspräsident Peres Deutschland, der Premierminister Polen und der Aussenminister Ungarn besucht, während Russland nicht einmal mit einem Dankesbrief erwähnt wäre.
Die russischsprachige Knessetabgeordnete Maria Solodkina von der Kadima-Fraktion forderte das Parlament auf, sofort, "noch heute", eine Dankesbotschaft in dieser Sache an die russische Staatsführung zu richten. Dies aus zwei Gründen: erstens muss unterstrichen werden, dass das Volk Israels weiss, wer Auschwitz und andere Vernichtungslager befreit und den  Hauptbeitrag zur Zerschlagung des NS-Regimes geleitet hatte. Zum anderen ist der Stellenwert bilateraler Beziehungen zwischen Russland und Israel vor allem auch angesichts der iranischen Bedrohung enorm. Ausserdem sei die Knesset auch den wenigen noch lebenden Veteranen des Krieges mindestens einen ausdrücklichen Dank schuldig.
Einige Stunden später formulierte die Oppositionsführerin Livni im Namen der Knesset ein Dankesschreiben an den Präsidenten Medwedev und Premier Putin, in dem die herausragende Rolle der Sowjetunion und des sowjetischen Volkes beim Sieg über den Faschismus hervorgehoben und ewiges Andenken daran betont wird.

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