Freitag, 18. Dezember 2009

Die Selbstabdankung des Westens IV: Das Ende der Werte

Die letale Diagnose jeder Gesellschaft lautet: Werte- und Normenpluralismus. Erst durch ein ausdifferenziertes, explizites und wehrhaftes Wertesystem wird eine empirisch kontingente Ansamlung von Individuen zu einer Gesellschaft. Die Begriffe Gesellschaft und Geselligkeit sind nicht nur semantisch, sondern auch inhaltlich verwandt. Es gibt keine Gesellschaft ohne ein Mindestmaß an Geselligkeit, Gemeinschat, Wärme. Gesellschaften haben sich um Religionen und Kulte gesammelt, eine "Gesellschaft", die sich selbst ihren weit in der Vergangenheit liegenden religiösen Nährboden entzieht, wie es die europäischen "Gesellschaften" tun, hat nicht nur keine Zukunft, sondern auch keine Gegenwart, ist also jetzt bereits keine.
Doch eine mobilisierende Idee ist essentiell für den sozialen Erhalt, sie ist weder "wahr" noch "falsch" - sie ist nur funktional, und daher not-wendig. Der komplementäre Zusammenprall der dunklen, fundamentalistischen und antizivilisatorischen Macht der islamischen Welt mit den kapitalistischen, verliererischen, beliebigen, infantilen, wertelosen, entfremdeten, antiidealistischen und exzessiv individualistischen westlichen Gesellschaften kann sich nur in einer Katastrophe der letzteren entladen. Denn die mechanische, strikt wertgebundene Solidarität des Islam zeigt tagtaeglich, dass sie der in Verwesung begriffenen organischen Solidarität des Westens überlegen ist, dessen einziger Wert darin besteht, dass er alle möglichen Werte anzuerkennen bereit ist.
Die gegenwärtig zu beobachtenden Entwicklungsperspektiven der Gesellschaften lassen sich unter den Begriffen Reethinisierung bzw Rekulturalisierung zusammenfassen: Das Fortbestehen oder der Niedergang einer Gesellschaft wird also unter dieser Praemisse davon abhaengen, ob sie diese Tendenz erkennt und sich dieser globalen Entwicklungslogik fügt - oder sie verkennt. Die europäischen Völker haben in unterschiedlichem Masse aber doch alle diesen Zeitgeist verkannt. Die verzweifelten Rufe einiger weniger Demographen, dass die Gesellschaft ohne Kinder keine Zukunft hat, werden nicht wahrgenommen.
Die Zeit der grossen unversönlichen - aber gleichsam volks- und kulturfeindlichen, antinationalen - Ideologien, des Kapitalismus und des Sozialismus neigt sich dem Ende zu. Der moderne Staat ist in der Neuzeit als Nationalstaat entstanden, und auch wenn die kulturell-nationale Grundlage der westlichen Staaten zunehmend ins Wanken gerät, wird das politische Ordnungsprinzip, der Staat, zu seinem Ursprungszustand, dem Nationalstaat, zurückkehren. Auch wenn die scheinheilig stigmatisierten und diskriminierten nationalen Parteien und Bewegungen gegenwärtig ein Schattendasein führen - die beliebig-infantile Demokratie wird eine vernachlässigbar kurze Episode der Menschheitsgeschichte sein - die Zukunft, wie die Vergangenheit, gehört der Kultur und Nation. Wie sieht ein Gegenentwurf zur jetzigen desaströsen Situation westlicher Gesellschaftssysteme aus?
Die Verbindung von Nationalismus und Sozialismus in eiem antiexpansiven, also selbstgenuegsamen, politischen Gebilde, überwölbt vom Idealismus und strikter, sanktionsbewährter Wertebindung bringt das einzige vertretbare, funktionsfähige Gesellschaftssystem hervor - ohne die gravierenden und massenhaften psychischen Srörungen, die der anonyme und kalte Kapitalismus zu verantworten hat. Die psychische Behandlung eines Einzelnen ist hier nämlich sinnlos, wenn die Gesellschaft krank ist. So muss man die Gesellschaft heilen, damit die Einzelfallbehandlung, falls überhaupt noch erforderlich, erfolgreich sein kann. Das Therapieprogramm lautet: Werte - die nur transzendenter, relogiöser, und nationaler Natur sein koennen und immateriell sind - wiederbeleben und mit Sanktionen ausstatten. Normen, also die oparationalisierten, auf die Ebene des Alltags heruntergebrochenen Werte, festlegen und verteidigen. Freiheit und Gleichheit sind keine Werte - sie zerstoeren Werte, nämlich Religion, Nation, Kultur, Moral. "Das Ich braucht das Wir" (Amitai Etzioni) denn nur die Gesellschaft mit ihrer Wertevermittlung und Normensetzung erzeugt das Individuum, nicht umgekehrt. Geld, Profit, Wohlstand oder Lust sind keine Werte.
Warum hatte man eigentlich die koeniglichen englischen Elitesoldaten, die Kommandos Ihrer Majestaet und die amerikanischen Marines, die harten Maenner des Westens, unsere letzte , schwache Existenzgarantie gegenueber dem alles verschliengenden Islam - mit angsthemmenden Antidepressiva vollstopfen muessen, bevor der Angriff auf Bagdad beginnen konnte? Haben ihre Gegenueber in Irak oder auch Afganistan diese Mitttel noetig? Die Seele des hochentwickelten und hochbewaffneten Westens ist krank, deshalb muss man medikamentoes nachhelfen. Die der Moslems dagegen gesund, weil der Glaube dieses notwendige Opium bereitstellt. Die Westler haben dagegen keinen Glauben, keine Ideale, - und muessen Tabletten zu sich nehmen, die krank, abhaengig und verwundbar machen, aber kurzfristig helfen, die Situation zu meistern. Die Islamisten sind den westlichen Armeen, die nicht mehr sind als Anhängsel Ihrer hochmodernen Technik, mit ihren vorhistorischen Kalaschnikovs und Stinger-Raketen oder einfachen Tepichmessern deshalb überlegen, weil sie aus dem Glauben und ihren "Werten" eine Kampfmoral schöpfen, die keine westliche Militärindustrie bereitstellen kann. Und da sind wir wieder bei der Dialektik jeder Modernisierung: die Lastverteilung zwischen Mensch und Maschiene veraendert sich. In den zurueckgebliebenen Islamgesellschaften ist es immer noch der Mensch, der die Hauptlast des Kampfes traegt. Er muss seelisch und physisch stark sein, weil seine Waffen primitiv und schwach sind. Er muss sich der Lebensgefahr aussetzen, er kennt gar nichts anderes, fuer ihn hat der Krieg mit dem moeglichen Tod zu tun. Der "Westen" hat sich dagegen dermassen hochtechnisiert und dass der einzelne Kaempfer gar nicht mutig zu sein braucht, wozu denn auch, wenn der pilotenloser Flieger oder ein ferngesteuerter Jeep die Schlacht fuer uns austraegt. Der Westen hat in seinem Bewusstsein den Krieg, den er führt, vom Tod entkoppelt. Damit ist ganz und gar nicht gemeint, dass man auf die technischen Vorsrpünge vor dem Feind verzichten solle - aber man darf bei all der technischen Begeisterung die Wertevermittlung nicht vergessen.
Wir preisen die Vernunft hoch und verachten die Gewalt, wir sind Erben der Aufklaerung, des Rationalismus, des Intellektualismus. Bei uns ist der Verstand der Kult, die Moral, die Ethik, die Kultur, das Schoene und Gute, die Naechstenliebe und der Vorrang des intellektuellen Diskurses - die Staerke oder ein irrationaler, blinder und dumpfer Hass, der Fanatismus, primitive Triebe verpoennt. Wir haben uns viel zu sehr hochkultiviert und diese Tugenden werden im Kampf gegen die dunkle, dem Diskurs nicht empfaengliche Macht des Islam die Totengraeber westlicher Zivilisation sein. Denn seinem Rechtsstaat und den "Menschenrechten", mit der dekadenten Freiheit und der utopischen Gleichheit aller mit allen hat sich der Westen Ketten angelegt, die eine wirkungsvolle Abwehr seiner Feinde unmöglich machen.

Zum Teil V: Der Brudermord

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