Freitag, 29. Januar 2010

Erdogans Schlag gegen Israel


Alle politischen Aktivitäten der türkischen Regierung der letzten Monate gegenüber Israel können nur ein einziges Ziel haben: nach der Zerstörung politisch-diplomatischer Beziehungen nun eine konsequente Demontage des strategischen Militärbündnisses zwischen Ankara und Jerusalem. Der türkische Premier sieht das Volk an seiner Seite und nimmt eventuelles Einschreiten des Militärs gegen den Umbau der säkulären Gesellschaftsordnung und den Verrat ehemaliger Bündnispartner bewusst in Kauf. Ein demonstratives Händeschütteln zwischen Ehud Barak und seinem türkischen Amtskollegen hat den impulsiven türkischen Premier nicht davon abbringen lassen, einen neuen Tiefschlag gegen die ehemals intakte militärische Zusammenarbeit zu verpassen. Der von der Kette gegangene Erdogan hat die Jahrzehnte lang bestens gehütteten Geheimnisse im Bereich geheimdienstlicher Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern an die breite Presse weitergeben lassen. Gedekt durch das stillschweigende Einverständnis ihres Parteichefs haben die AKP-Aktivisten auf ihrer Homepage höchstsensible und für Israels Sicherheit wichtige Daten veröffentlicht. Nach den Informationen des Nachrichtendienstes Debka soll - unter anderem - bekannt geworden sein, dass im Generalstab des türkischen Heeres in Ankara eine streng geheime israelische Abteilung beherbergt war, die eine flächendeckende elektronische Aufklärung und Abhörung der Territorien Syriens und des Iran auf israelfeindliche Aktivitäten hin leistete. Es gab bislang weder vom israelischen noch vom türkischen Militär irgendwelche Stellungnahmen.

Während die politische und militärische Führung Israels die Türkei ohnehin schweren Herzens von der Verbündetenliste streichen musste, bringt dieser Skandal das türkische Militär in eine prekäre Situation. Alles in allem zwingt  der  türkische Premier die Militärs seines Landes dazu, "Farbe zu bekennen": entweder auf die politische Linie der regierenden AKP einzuschwenken und auf die strategischen Dividenden von der jahrelangen Kooperation mit Israel zu verzichten oder die selbstzerstörerischen Aktivitäten Erdogans einzudämmen und evtl durch einen Putsch - in den letzten 50 Jahren gab es mehrere davon - die Verfassungsordnung und das "Erbe Atatürks" zu retten. Wenn man das gesamtgesellschaftliche antiisraelische Klima und den antisemitischen "Zeitgeist" in der Türkei berücksichtigt, muss man davon ausgehen, dass das Militär - an dessen Reihen die Islamisierung auch nicht spurlos vorbeigegangen ist - Erdogan weiter gewähren lässt. Die Türkei ist vom ehemals mehr oder weniger verlässlichen Partner zu einem unberechenbaren Feind Israels geworden, und auf das türkische Militär ist kein Verlass, so sehr Ehud Barak bei den Phototerminen auch strahlen mag.
Israel muss Erdogan das Heft des Handels entziehen, anstelle jedes mal derartige Überraschungen serviert zu bekommen. Die Stärkung Kurdistans als eines neuen stratetgischen Partners wäre eine zwingende und einzige alternative, die nach dem türkischen Verrat Israel in der Region bleibt. Vielleicht möchte der stets fröhliche Ehud seine Drohnen doch an die falschen verkaufen.

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