Dienstag, 5. Januar 2010

Israel-Griechenland: neue Bündnissysteme im Mittelmeerraum

Es gibt seit längerem deutliche Anzeichen für eine neue Bündnisformation und -konstellation im Mittelmeerraum und Nahost. Vor dem Hintergrund der Abkühlung der israelisch-türkischen Beziehungen und der strategischen Annäherung der Türkei an Syrien und Iran bauen Israel und Griechenland ihre bilateralen Beziehungen, vor allem auf militärischer Ebene, weiter aus.
Wie der Nachrichtendienst Debka meldet, wurde der Oberbefehlshaber der griechischen Marine, Vizeadmiral Karamalikis, mit den höchsten Militärischen Ehren in Israel empfangen. Der Besuch war geheim, weshalb sein Zeitpunkt unbekannt ist. Der Oberbefehlshaber der israelischen Militärflotte, Vizeadmiral Eli Maarom, zeigte dem hohen Gast u. a. die Befehlszentrale der israelischen Marine in Haifa, eins der geheimsten und modernsten israelischen U-Boote deutscher Produktion "Dolphin800" sowie die Korvette "Saar5".
Die vermutlich nuklearwaffenfähigen Dolphin U-Boote sind eine der Hauptkomponenten in der Abschreckungsdoktrin Israels, der sog. "garantierten Vergeltung". Darunter versteht man die Warnung, dass der Feind auch dann mit einem vernichtenden Gegenschlag rechnen muss, wenn Israel selbst keine militärischen Aktivitäten von seinem Territorium aus mehr entfalten könnte. Die Saar-Korvette war eins der Begleitschiffe der israelischen Marine während der spektakulären Fahrt des Dolphin-U-Bootes durch den Suez-Kanal im vergangenen Jahr.
Mindestens seit Juni 2008 lässt sich eine Vertiefung der militärischen Zusammenarbeit zwischen Israel und Griechenland beobachten, als die beiden Länder grossangelegte gemeinsame Übungen ihrer Luft und Seestreitkräfte abhielten. In deren verlauf legten 100 israelische Kampfflugzeuge teils im griechischen Luftraum, eine Strecke zurück, die in etwa dem Hin- und Rückflug nach Iran entspricht, und übten ausserdem die Überwindung der berüchtigten S-300 Luftabwehrsysteme russischer Produktion, die Griechenland zur Verfügung stehen und dem Iran zur Verfügung stehen könnten.

Israel hat an dieser Kooperation ein strategisches Interesse. Formell besteht zwischen Israel und der Türkei weiterhin ein Abkommen über die militärische Zusammenarbeit. Nach der Absage Türkeis an Israel, an den Militärübungen im Rahmen der NATO im türkischen Luftraum teilzunehmen, zu denen Israel ursprünglich eingeladen worden war, und nachdem die Übungen insgesamt abgesagt werden mussten, sowie nach dem Geheimdienstabkommen zwischen der Türkei und dem Iran, was einen de fakto-Verrat seitens der Türkei darstellt, ist in Israel erkannt worden, dass die Türkei in ihrer gegenwärtigen islamistischen Verfassung nicht nur kein Partner, sondern womöglich ein feindlicher Staat ist. Die israelisch-türkischen Militärmanöver, wie sie oft in der Vergangenheit regelmässig stattfanden, werden wohl in der absehbaren Zukunft unter solchen Umständen nicht mehr stattfinden Mit der Türkei ist für Israel ein wichtiger strategischer Partner und Verbündeter de fakto weggefallen, weshalb Israels Führung sich gezwungen sieht, neue, alternative Allianzen in der Region zu schmieden. Israel arbeitet seit mehreren Jahren auch mit Aegypten in den Bereichen Militär und Geheimdienst eng zusammen.
Auch Griechenland hat ein strategisches Interesse daran, gegenüber dem historischen Erzrivalen und "NATO-Verbündeten" Türkei Optionen offen zu haben, wenn man bedenkt, dass der seit Jahrzehnten stagnierende Zypern-Konflikt noch immer nicht beigelegt ist.
Die sich häufenden türksichen Eklats, z. B. auf der Umweltkonferenz in Davos vor einem Jahr, dürfen jedoch vom Westen nicht als bilaterale Spannungen zwischen der Türkei und Israel verstanden werden. Der Westen muss einen grundsätzlichen aussenpolitischen Kurswechsel Türkeis erkennen. Die Türken sind durch die infantile und heuchlerische Haltung der EU zum EU-Beitritt der Türkei brüskiert. Während der eine oder andere des Realitätssinns beraubte EU-Komissar noch vom Beitritt der Türkei träumt, hat sich das Land selbst schon längst von Westen abgewandt und integriert sich erfolgreich in die islamische Welt.

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