Sonntag, 17. Januar 2010

Israel und die Türkei: die Theatervorführung geht weiter


Trotz eisiger Atmosphäre in den bilateralen Beziehungen und Warnungen des israelischen Aussenministeriums an den Verteidigungsminister Ehud Barak, nicht in die Türkei zu reisen, traf sich letzterer unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen heute mit dem türkischen Amtskollegen Vedschdi Genül und dem Aussenminister Ahmet Davut-Oglu. Wie jeder Staatsbesuch in der Türkei, fing auch dieser mit dem Besuch des Atatürk-Mausoleums an. In den Gesprächen ging es vor allem um gemeinsame Projekte in der Militärindustrie, vor allem um die Lieferung israelischer Aufklärungsdrohnen "Heron" an die Türkei mitte März. Das treffen der Verteidigungsminister dauerte 3 Stunden, danach erklärte Barak den diplomatischen Konflikt um die Couch des türkischen Botschafters für beendet, und nannte den Vorfall einen "Fehler". Genül wiederum unterstrich die Wichtigkeit der strategischen Beziehungen der beiden Länder. Der Staatspräsident Gül und Premier Erdogan haben dem israelischen Minister die Audienz indes verweigert. Aus der Umgebung von Barak verlautete, dass die Treffen in einer guten und konstruktiven Atmosphäre verlaufen sind.
Es scheint, dass das Interesse der Türkei am israelischen Exportschlager Heron, die das Land im Osten und im Nordirak über den Kurdengebieten einsetzt, und einigen weiteren Produkten der israelischen Verteidigugnsindustrie, wie etwa der elektronischen Ausrüstung türkischer Panzer, das einzige ist, was die bilateralen Beziehungen noch aufrecherhält. Der gumütige Handelsreisende Barak wird keine Korrektur des grundsätzlichen politischen Kurswechsels der Türkei bewirken können. Genauso, wie das Kasperltheater mit dem türkischen Botschafter, so ist auch die nach aussen getragene "gute Atmosphäre" nicht mehr, als eine Theatervorstellung, nur mit einem entgegengesetzten Vorzeichen. Wenn man bedenkt, dass auch im türkischen Militär die alte Riege der Bewahrer der säkulären Gesellschaftsordnung und des Erbes Atatürk langsam durch pro-islamistische Strömungen abgelöst wird, kommt man zum Schluss, dass es vorbei ist mit der strategischen Partnerschaft der beiden Staaten. Und auf die Sitzhöhe der hohen Gäste kommt es nicht an.

Das hat man im israelischen auswärtigen Amt schon immer verstanden. Im Interview an den Fernsehsender  Arutz 2 erklärte der in die Knie gezwungene Dani Ajalon gestern erneut seine harte Haltung gegenüber der Hetzjagd auf Israel in den türkischen Medien. In der TV-Serie "Tal der Wölfe", einer modernen Version der klassischen mittelalterlichen antisemitischen Blutlüge, gesendet vom türkischen Staatsfernsehen, werden Israel und seine Armee regelrecht dämonisiert. Ajalon, ebenso wie Aussenminister Liberman und auch Netanyahu, verteidigte die Notwendigkeit der israelischen Diplomatie, gegen solche gefährlichen Äusserungen des Antisemitismus vorzugehen.  Man werde künftig sich vorbehalten, den türkischen Botschafter auszuweisen, sollte die Hetze , und nicht nur im Fernsehen, fortgesetzt werden. Das gelte zudem nicht nur für die Türkei, sondern für jedes Land, das Israel Schaden zufügen möchte.
Bei seinem Besuch heute in Norwegen erklärte Liberman, dass man in der Sache recht gehabt  habe,  die Form des Protests aber unangemessen gewesen sei. Wenn man sich vom peinlichen Couchstreit der letzten Woche abstrahiert, dann ist dieser Richtungswechsel in der israelischen Diplomatie schon längst überfällig. Es ist die Aufgabe des jüdischen Staates, die Sicherheit der Juden nicht nur in Israel, sondern auch in der Diaspora zu verteidigen und solchen Hetzkampagnen, die zwangsläufig eine Pogromstimmung heraufbeschwören, überall auf der Welt entgegenzuwirken. Dabei sei angemerkt, dass die etwa 25.000 starke jüdische Gemeinde in der Türkei rapide schrumpft und heutzutage so viele türkische Juden nach Israel auswandern, wie seit Jahrzehnten nicht mehr.
Nach dem jüngsten diplomatischen Eklat erging sich mancher links-verblendeter israelischer Journalist, wie etwa Doren Rosenblum von der "progressiven" Ha'Aretz in wüsten Beschimpfungen der israelsichen Chefdiplomaten. Man habe in weniger als einem Jahr schon viel zu viele Freunde zu Feinden gemacht. Die linke Camorra in den israelischen Medien zieht es vor, dass Israel auch weiterhin nur schluckt und den Kopf einzieht, wenn solche Freunde wie die Türkei eine Pogromstimmung erzeugen, wobei sie nicht merkt, dass ausgerechnet die seelenarme und unterwürfige Diplomatie der letzten zwei Jahrzehnte dazu geführt hat, dass sich jedes Land, die abgefrorenen Schweden oder Finnen eingeschlossen,  frei fühlt, den jüdischen Staat nach Belieben mit Dreck zu übergiessen, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen. Die linken Gutmenschen haben nämlich die Prügelknaben-Mentalität schon soweit internalisiert, dass jeglicher Versuch gegenzusteuern umgehend als staatsschädigend deklariert wird. Niemand hat aber in Israel mehr jüdisches Blut an den Händen, als "die Architekten von Oslo" und deren Handlanger.

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