Mittwoch, 20. Januar 2010

Kurdistan als Israels Antwort an die Türken


Die de fakto Aufkündigung des Bündnisses mit Israel seitens der Türkei hat wie ein Katalysator eine evtl weitreichende Neuordnung strategischer Bündnisformationen bewirkt. Die Türkei hat den säkulären Pfad offensichtlich verlassen und stellt unter Erdogan einen strategischen Partner für den Iran dar. Mehrere Geheimdienst- und Militärabkommen haben dieses Bündnis besiegelt. Für ein zu 98% muslimisches Land ist das Zusammenschmelzen mit der islamischen Welt  auch eine natürlichere Entwicklung, als eine "Integration" in die Europäische Union - nebenbei bemerkt wäre das dann wohl am Ende ein endgültiger Anschluss Europas an die Islamische Welt. Die noch vor 10 Jahren so intensive Zusammenarbeit zeischen Israel und der Türkei ist aus heutiger Sicht unvorstellbar. Israel ist in dieser Konstellation naturgemäss gezwungen, nach anderen Optionen zu suchen. Über die Intensivierung der Zusammenarbeit mit Griechenland schrieben wir schon.
Nun reiht sich in diesen Kontext ein in der arabischen Zeitung Al -Akhbar erschienener Artikel über die israelische Präsenz im Nordirak. Der Autor Ali Schihab behauptet, dass Israel eine Dominaz in den Schlüsselregionen des Irak anstrebt, vor allem im Norden, dort im Zentrum der ölreichen  kurdischen Autonomie, der Stadt Kirkuk. Die Kurden, ein 40 Millionenvolk, zwangsislamisiert im Mittelalter, besiedeln ein umfangreiches Gebiet vom Osten der Türkei über Syrien, teilweise Libanon bis zum Nordwesten des Iran. Der kurdische Nordirak im Grenzdreieck zwischen der Türkei, Syrien und dem Iran nimmt eine wichtige geostrategische Stellung ein. Zeitgleich sieht die Türkei mit der 20 Mio. starken kurdischen Minderheit die kurdischen Unabhängigkeitsbestrebungen als permanente Bedrohung der eigenen staatlichen Stabilität und geht mit brutallster Gewalt gegen die Kurden und die PKK vor. Weitgehend unbeachtet oder bewusst verschweigen ist die Intervention der türkischen Truppen und Spezialeinheiten im Nordirak. Ali Schihab behauptet weiter, die israelischen Militärs bildeten die kurdische "Peschmerga" aus, Söldner israelischer Sicherheitsfirmen leitsten Personenschutz für amerikanische Offizielle und Vertreter internationaler Konzerne im Irak. Türken und Syrer haben allen Grund eine israelische-kurdische Militärallianz zu befürchten, die die Sicherheit und Stabilität der Machtstrukturen der beiden Länder gefährden könnte. Die türkische Presse berichtet über den nicht mehr zu übersehenden militärischen Einfluss Israels in der kurdischen Autonomie und auch über die gestiegene Aktivität israelischer Firmen, Banken und Baukonzrne. Auf irakischen Territorium sind mittlerweile zwischen 70 und 100 israelische Firmen tätig, die israelische Buskooperative "Dan" verkauft dort gebrauchte Busse, die Firma Rbinteix handelt mit Schutzwesten, Israel exportiert ferner über fiktive Firmen Brennstoff und andere Erdölprodukte, Baumaterialien, Bewässerungssysteme, Innenausstattungsmaterialen. Die "Deckung" leisten in der Regel jordanische Firmen, unter deren Aushängeschild israelische Produkte im Irak vertrieben werden. Der irakische Aussenminister und Mitglied der demokratischen Partei Kurdistans Schohar Zabari strebe als Endziel die Herstellung diplomatischer Beziehungen zwischen Irak und Israel.
Vor diesem Hintergrund wäre es ein geeingnetes Mittel, den antiisraelischen Eifer der Türken abzukühlen, wenn Israel eine moegliche offizielle Anerkennung des unabhaengigen Kurdistan andeuten wuerde. Das waere noch viel zu milde angesichts dessen, was die Tuerkei sich gegenueber Israel gegenwaertig leistet.

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