Freitag, 18. Dezember 2009

Was taten die USA während des Holocaust?

Die Frage des Jahrhunderts sollte lauten, wie die USA den Holocaust zulassen konnten. Es ist die Frage nach deren Mitschuld am singulaeren Verbrechen der Menscheitsgeschichte. Nicht minder verwunderlich ist es, dass in unserer Zeit der ungezuegelten Freiheit der Meinugnsaeusserung und der so vielen vermeintlichen Tabubrecher keine ernstzunehmende intellektuelle Stimme ausgerechnet diese Frage stellt. Die Frage nach der Mitschuld Europas ist eine Pseudofrage: so ist der Unterschied in der Schwere der Schuld zwischen den NS-Schlächtern und Briten, die mit Ihrem Weissbuch den Opfern die Flucht aus dem Schlachthaus Europa versperrten, marginal, und sieht im nachhinein eher nach einer Arbeitsteilung aus.
Die Franzosen haben die Judenvernichtung in Ihrem Land selbst fleissig organisiert. Es ist ueberhaupt einer der groessten Witze der Geschichte, In bezug auf Frankreich die Begriffe "Siegermacht" oder "Widerstand" zu verwenden. Weder war es eine Macht noch hat sie jemanden besiegt, und die sporadischen Sabotageaktionen einiger weniger an der Finischgeraden des Hitlerregimes darf man nicht zum Widerstand hochsillisieren - moegen eben diese Einzeltaten Weniger in der sonst totalen Loyalitaet umso heldenhafter und bewundernswerter sein. Und ohne die Polen hätten die Auschwitzöffen nicht so gut gebrannt. In der Taeter-Opfer-Aufteilung mag es zwischen den europaischen Staaten intern manch einen Streit geben, aber ihre gemeinsame Taeterschaft in bezug auf die Juden ist unbezweifelbar.
Eine ernste Frage ist dagegen, wo die Amerikaner waren. Wer behauptet, die amerikanische Regierung hat nichts gewusst, beluegt sich selbst, ebenso wie einer, der glaubhaft zu machen versucht, dass die Bevoelkerung in Deutschland nichts gewusst habe - von der Endloesung ja, in der Kristallnacht selbst fleissig gepluendert und gemordet, aber von der Vernichtung sonst nichts . Dass die schon damals ueber die groessten Ressoursen verfuegende aufkommende Supermacht mit den allmaechtigen Aufklaerungsbehoerden die langjaehrige hochtechnisierte Menschenvernichtung im Mittelpunkt Europas uebersehen haben soll - ist ausgeschlossen. Denkbar ist viel mehr, dass die europaischen Juden und deren Schicksal auf der Landkarte amerikanischer Interessen gar nicht präsent waren. Hitler als Bollwerk gegen den gefuerchteten bolschbevistischen Kommunismus dagegen sehr wohl. Wenn man davon ausgeht, dass der Antikommunismus in Amerika zu jeder Zeit viel staerker ausgepraegt war als der Antifaschismus, dann wird klar, dass die USA lieber Hitler bis nach Vladivostok durchmarschieren lassen hätten, als Stalin bis nach Gibraltar. Ob es eine Landung in der Normandie gegeben haette, wenn die Stalingrad-Schlacht anders ausgegangen waere, wird wohl fuer immer fraglich bleiben. Haben die Englaender durch das schaebige Appeasement Hitler erstarken lassen, so haben die Amerikaner durch ihr schlichtes Nichtstun ihn weiter gewaehren lassen. Den amerikanischen Interessen scheint es eher gedient zu haben, die beiden Ungeheuer, Stalin und Hitler, mit den Stirnen zusammenprallen zu lassen, als sich gegen die Judenvernichtung einzusetzen. Zweifelsohne traegt Amerika durch die bewusst unterlassene, weil fuer entbehlich befundene, Hilfeleistung eine schwere Mitschuld an der Judenvernichtung Europas. Das Verbrechen Eurpas an den Juden lag in der multinationalen Organisation des Voelkermords - die Mitschuld Amerikas in der Indifferenz zu diesem. Umso wichtiger ist ein staatlicher Akteur als Repräsentant jüdischer Interessen, wo die Geschichte doch gezeigt hat, dass die Juden ihre Sicherheit und Unversehrtheit nicht einer fremden Nation anvertrauen durften. ML

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