Freitag, 26. Februar 2010

Mitchell und Biden: der eine hat "kein' Bock" der andere nichts zu tun

Nachdem der Leiter der Administration des US-Präsidenten Hussein Obama Rahm Israel Emanuel vor einigen Monaten im Hinblick auf die stockenden Friedensverhandlungen "versehentlich" zugab, "kein Bock" mehr auf die Israelis und Palästinenser zu haben, hat heute auch der Sondergesandte Obamas im Nahen Osten George Mitchell Motivationsdefizite bei seiner Friedensmission offenbart. Konkret äusserte sich das im Rücktrittsgesuch des Halbarabers an seinen Boss - das meldet die in Nazaret erscheinende arabischsprachige Zeitung "Hadit a-Nass". Der Grund soll der fehlende Fortschritt im Friedensprozess und die Art und Weise sein, wie die jetzige US-Administration diesen voranbringt, sowie die "Voreingenommenheit einiger Elemente innerhalb der Administration zugunsten Israels". Laut dem Zeitungsbericht wurde der Antrag Mitchells abgelehnt. Offiziell wurde seitens der Administration keine Stellung bezogen. Unabhängig von allem kann man Mitchell schon verstehen, denn langsam kommt  sich auch ein US-Gesandter lächerlich vor, dutzende Male zwischen Washington, Jerusalem und Ramallah hin und herzufliegen und überall wie eine aufdringliche Mistfliege abgewimmelt zu werden.

Ein anderer Untergebener Obamas, sein Stellvertreter Joe Biden soll laut dem Fernsehsender C-SPAN in einem Privatgespräch gesagt haben: "Es ist sehr leicht, ein Vize-Präsident zu sein - man hat einfach gar nichts zu tun." "Es ist genau das gleiche, kein Elter des Kindes zu sein, sondern sein Opa"- fügte sein nicht näher benannter Gesprächspartner hinzu, Biden soll dem Vergleich zugestimmt haben. Der Pressesprecher Bidens Jay Carney beeilte sich klarzustellen, dass es sich um einen Scherz gehandelt habe und Biden sehr viel zu tun habe und weihte die Journalisten in seinen dichten Terminkalender ein. In dieser Bemerkung könnte allerdings auch eine Art Frustration Bidens zum Ausdruck kommen, der völlig im Schatten seines exotischen Vorgesetzten steht und kaum wahrgenommen wird. Umgekehrt war das Verhältnis zwischen George W. Bush und seinem Vize Dick Cheney - letzterer galt immer als die dominante Figur und das Machtzentrum der Administration. Es war schon im Vorfeld klar, dass der Nachfolger Cheneys eine viel bescheidenere Rolle spielen wird. Alles in allem, haben beide ein Motivationsgespräch mit ihrem Vorgesetzten nötig. (Foto: Mitchell, Biden)

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