Donnerstag, 18. Februar 2010

Was bringt Benjamin Netanjahu aus Russland mit?

In der israelischen Presse wird der soeben absolvierte Staatsbesuch Netanjahus in Moskau vorwiegend als Erfolg gesehen. Für den Regierungschef Putin hatte Netanjahu ein besonderes Geschenk dabei, der wie ein Balsam auf die Seele und den Nationalstolz des russischen Premiers wirken sollte: Netanjahu versicherte, dass schon vor Putins nächstem Besuch in Israel das Denkmal für die im Kampf gegen den Faschismus gefallenen sowjetischen Soldaten fertig gestellt sein wird. Putin sicherte im Gegenzug zu, den Bau des Holocaustmahnmals und -museums in der russischen Hauptstadt zu fördern. Auch wenn diese Projekte sicherlich als symbolische Gesten im Dienste anderer handfester Interessen der Tagespolitik zu sehen sind, so werden sie doch über den Kontext, in dem sie entstanden sind, hinausreichen und langfristig als stille Mahner gegen all die ewig Gestrigen sein, die sich mit der Geschichte, so wie war und ist, nicht abfinden wollen.
Nach den übereinstimmenden Medienberichten in Russland, soll Netanjahu erreicht haben, dass die Lieferung von S-300-Komplexe an den Iran erstmal wieder vertagt wird, aufgrund "neu aufgedeckter technischer Mängel". In der Frage der Iran-Sanktionen zeigte Russland mehr Verständnis für die Sorgen der westlichen Staaten. Putin nannte Israel "den Hauptpartner Russlands im Nahen Osten" und beklagte das infolge der Wirtschaftskrise 2009 zurückgegangene Handelvolumen zwischen den beiden Ländern, äusserte aber die Hoffnung, dass die Ergebnisse von 2010 weit über denen von 2008 liegen werden. Es wurde eine Reihe von Kooperationsprojekten im Bereich der Hoch- und Nanotechnologien unterzeichnet, ebenso zeigte sich Russland über die neuesten Entwicklungen der israelischen Militärindustrie interessiert. Gelobt wurde der bereits seit einem Jahr bestehende visafreie Personenverkehr zwischen Israel und Russland.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen