Mittwoch, 10. März 2010

Streik im Aussenministerium

Eigentlich gehören Kuriositäten nicht zum Schwerpunkt der Berichterstattung dieses Portals, denn in Israel gibt es viele Sachen, die es nur in Israel gibt. Aber manchmal kann man es sich einfach nicht verkneifen. Kurzum: der Betriebsrat der im israelischen Aussenministeriums beschäftigten Bürokraten fordert für diese die gleichen Arbeitsbedingungen, sozialen Vergünstigungen und Gehälter, wie sie bei den Mitarbeitern der Geheim- und Sicherheitsdienste üblich sind. Der Beamtenapparat des Aussenministeriums fühlt sich gegenüber den Angestellten der genannten Behörden benachteiligt. Da der Forderung erstmal nicht entsprochen wurde, streiken die Minesterialbürokraten. Inwieweit diese Forderungen berechtigt sind und ob das nicht eine von wem auch immer initiierte Kampagne gegen den unliebsamen "Arbeitgeber" und Aussenminister Lieberman ist, mag dahingestellt sein, wird man so wie so nie herausfinden. Aber dieser unglaubliche Unfug, der Streik der Ministerialbürokraten im Schlüsselministerium, hat schon jetzt ganz praktische Auswirkungen gehabt. Denn wenn z B die Rechtsanwaltsgehilfen und Sekretärinnen streiken, dann ist auch die beste Anwaltskanzlei aufgeschmissen. Zu den "Streikamssnahmen" der Beamten gehört u. a. auch die Unterbrechung jeglicher Zusammenarbeit mit der Kanzlei des Premierministers und dem Verteidigungsministerium. Die benachteiligten Ministeriumsmitarbeiter weigern sich nun, den Besuch des Verteidigungsministers Ehud Barak in Moskau zu organisieren und haben sogar an die israelische Botschaft in Moskau die Weisung erteilt, keine Aktivitäten zur Vorbereitung des Besuchs - Fahrzeugbereitstellung, Hotelreservierungen, Terminabsprachen, etc - zu unternehmen, solange der Arbeitskonflikt andauert.
Nicht nur die hartgesottenen israelischen Politiker, die nichts wundern kann, sondern auch die hochrangigen ausländischen Gäste haben diese Nuancen der israelischen Demokratie zu spüren bekommen. So haben sich die Bürokraten im Aussenministerium jüngst geweigert, an der Organisation einiger Staatsbesuche mitzuwirken. Der Präsident Panamas und Freund Israels Ricardo Martinelli musste z B zu seinem Besuch beim Präsidenten Schimon Peres mit einem von der Botschaft Panamas gemieteten Wagen fahren. Es blieben auch bei etlichen Staatsbesuchen rote Tepiche, Fahnen und Hymnen aus. Weil sich aber Israel, das nicht ein Überangebot an Freunden in der Welt hat, solche peinlichen Eskapaden nicht länger leisten kann, müssen die scheinbar extrem benachteiligten Aussenministeriumsbürokraten dringend mit ein Paar Rentenversicherungen mehr ruhig gestellt oder 'rausgeschmissen werden.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen