Montag, 5. April 2010

Ägypten: der kranke Mann am Nil

Die Sorge um die Stabilität an seiner Grenze zu Gaza kommt in Ägypten nicht von ungefähr. Denn in seinem inneren ist der ägyptische Staat alles andere als stabil. "Jeder Bürger Ägyptens hat das Recht, seinen Präsidenten zu wählen" - erklärte der aus Wien zurückgekehrte Mohammed el-Baradei, der ehemalige Generaldirektor der tölpelhaften IAEO bei der Kundgebung seiner Anhänger in der nördlichen Universitätsstadt Mansura. Da hat er natürlich recht.
el-Baradei gewinnt mit den Forderungen nach demokratischen Reformen im Land zunehmend an Popularität und präsentiert sich als Alternative zum verkrusteten Mubarak-Regime, das er offen "diktatorisch" nennt. In etwa könnte man ihn mit dem iranischen Oppositionsführer Mussaui vergleichen, mit dem Unterschied, dass sein Gegner, das Regime Mubarak, nicht mit der tollwütigen militaristischen und expansiven Regierung Ahmadinedschad zu vergleichen ist. Die jetzigen Machthaber in Kairo haben sich schon fast darauf eingestellt, die Macht reibungslos an den Sohn des krankheitsgeschwächten Mubarak zu übertragen, doch el-Baradei ist zu einem ernstzunehmenden Machtfaktor für die Pharao-Familie geworden. Seine Anhänger beklagen sich über Verfolgungen und Festnahmen. Im Interview an die "Gardian" sagte der Präsidentschaftsbewerber el-Baradei: "Die Ägypter fühlen sich unterdrückt - sowohl durch die Staatsführung, als auch von aussen." Für Mubarak ist vor diesem Hintergrund eine erneute militärische Eskalation in Gaza, die islamistische Stimmungen in seinem eigenen Land weiter anheizen würde, das letzte, was er brauchen kann. (Foto: el-Baradei, ehem. Unterhändler Irans Ali Laridschani)

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