Samstag, 10. April 2010

Der Fluch von Katyn, Israel tief erschüttert

Im Frühjahr 1940, nach der Besetzung Ost-Polens gemäss dem Molotow-Ribbentrop-Pakt,  wurden durch den Befehl der sowjetischen Innenministeriums NKWD nach unterschiedlichen Quellen knapp 22.000 polnische Staatsangehörige gefangen genommen und hingerichtet, vorwiegend Offiziere, Intellektuelle, politische Eliten. Nach Stalin sollte Polen enthauptet werden, um jeglichen Widerstand im Keime zu ersticken und eine mögliche spätere Kriegsteilnahme Polens an der Seite der Wehrmacht zu verhindern. Die Frage der Schuld am Verbrechen belastete die polnisch-russischen Beziehungen bis in die jüngste Vergangenheit schwer, in den Sowjetzeiten wurde es der NS-Wehrmacht angelastet, bis 1990 Gorbatschow die Verantwortung der Sowjetunion eingestand. Das grösste Massengrab befindet sich im Wald nahe des Dorfes Katyn, 20 km westlich von Smolensk, Russland und sollte der Ort der ersten gemeinsamen russisch-polnischen Gedenkveranstaltung für die Opfer sein.
Heute früh sollte eine hochrangige polnische Delegation, angeführt duch den Präsidenten Lech Kaczyński, in der Gedenkstätte eintreffen. Die Maschine des Präsidenten, eine Sonderanfertigung der altsoejwtischen TU-154, stürzte am Samstagmorgen beim Anflug auf den Flughafen Smolensk - nach vier(!) missglückten Anflugversuchen im dichten Nebel - ab. Keiner der Insassen und Crew-Mitglieder hat die Katastrophe überlebt, die Zahl der getöteten, darunter der Präsident mit Ehefrau, polnische Sejm-Mitglieder, hohe Regierungsbeamte und hochrangige Militärs, schwankt z Z zwischen 80 und 100. Inzwischen soll der Flugschreiber gefunden worden sein und wird ausgewertet. Russlands Präsident Medwedew hat die Ermittlungen eingeleitet und Premier Putin mit deren Leitung beauftragt. Das polnische Kabinett hat eine siebentägige Staatstrauer angeordnet.
Premierminister Netanjahu drückte dem polnischen Volk sein Beileid aus: "In dieser schweren Stunde steht Israel mit Herz und Seele mit dem polnischen Volk." Netanjahu erinnerte sich an sein Treffen mit Lech Kaczyńskiim im Januar dieses Jahres anlässlich des 65.  Jahrestages der Befreiung von Auschwitz durch die sowjetische Armee: "Präsident Kaczyński schlug ein neues Blatt in den Beziehungen des jüdischen und polnischen Volkes auf". In einer Sondererklärung des israelischen Aussenministeriums äusserte Aussenminister Lieberman Polen sein tiefes Beileid, Israel hat in Lech Kaczyński einen treuen Freund verloren. Verteidigungsminister Barak bezeichnete den Tod des polnischen Präsidenten als "schrekliche Tragödie, die die ganze Welt erschüttert hat." (Foto: Gedenkstätte Katyn)

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