Sonntag, 4. April 2010

Schicksale: der Fall Yair Klein

Der ehemalige hochrangige Offizier der ZAHAL Yair Klein wird durch die kolumbianische Justiz der Gruendung und Ausbildung von illegalen “Privatarmeen” beschuldigt, die im Interesse der Drogenbarone handelten. Klein bestreitet diesen Vorwurf. Zwar gab er gegenueber dem kolumbianischen Fernsehen zu, kolumbianische Bauern in Sachen Selbstverteidigung trainiert und ausgeruestet zu haben, bestritt jedoch jegliche Verbindung zur Drogenmafia. Im Fruehling 2007 hat das internationale Polizeinetzwerk Interpol im Auftrag Bogotas einen Haftbefehl gegen Klein erlassen.
Klein wurde Anfang der 60er in die Armee einberufen, kaempfte im Rahmen von Spezial- und Eliteeinheiten im Sechs-Tage-Krieg und im Jom-Kipur-Krieg, nahm an einer Reihe von Antiterroroperationen teil, darunter bei der Abwehr des Angriffs japanischer Terroristen am Flughafen Ben Gurion 1972. 1978 wurde Klein in die Reserve entlassen. Er galt und gilt mit seiner umfangreichen Kampferfahrung  als der Profi fuer Antiterroroperationen auf dem kleinsten Raum. Nach der Entlassung aus der Armee versuchte sich Klein als Existenzgruender, zuerst als Tankwart, dann mit einem eigenen Restaurant, hatte damit allerdings keinen Erfolg. Schliesslich widmete sich Klein dem Geschaeftsbereich zu, in  dem er keine grosse  Konkurrenz befuerchten musste...
Er gruendete eine private Sicherheitsfirma “Hod Ha'chanit” bzw “Spearhead”, in der er ehemalige Elitesoldaten der ZAHAL engagierte. U. a. erhielt seine Firma 1983 den Auftrag zur Ausbildung von libanesischen Falangisten, der christlichen Miliz Suedlibanons, die gegen den Terrorverein PLO kaempfte. Was ihn nach Kolumbien fuehrte, war nach seinen eigenen Worten das Bestreben, dem Blutvergiessen Unscuhldiger und der Gesetzlosigkeit in diesem Land entgegenzuwirken. Ihre Taetigkeit im buergerkriegsgebeutelten Kolumbien begann die “Speerspitze” 1987. Sie bot ihre Dienste sowohl den staatlichen Sicherheitsstrukturen, als auch Privatpersonen, vor allem in Sachen Ausbildung von Personenschuetzern an. 1988-89 bildeten seine Ausbilder kolumbianische Viehbauern in den entlegenen Regionen aus, sich gegen die Angriffe von Raeubern und Paramilitaers von FARC zu wehren. Die kolumbianische Staatsanwaltschaft behauptet jedoch, dass unter seinen Klienten auch prominente Drogenbarone gewesen seien, deren Privatarmeen Klein aus- und fortgebildet haben soll. 2002 sprach das oertliche Gericht Klein, bereits in seiner Abwesenheit, der gesetzeswidrigen Taetigkeit schuldig. Dessen ungeachtet hatte er sich damals sogar bereit erklaert, nach Kolumbien zurueckzukehren, wenn ihm der kolumbianische Staat es gestatten wuerde, seine Armee und Sicherheitsdienste im Kampf mit den beruechtigten FARC-Rebellen zu unterstuetzen. In den oertlichen Medien wird die Taetigkeit Kleins ambivalent beurteilt, mal als Retter, mal als ruecksichtsloser “Monster”, in jedem Fall schuf er in diesem Land private Kleinarmeen, die niemandem ausser ihren eigentlichen Auftraggebern untergeordnet waren.
5 Jahre nach dem kolumbianischen Haftbefehl wurde das Interpol eingeschaltet, im August 2007 wurde Klein am Moskauer Flughafen “Domodedovo” festgenommen. Am 31. Januar entschied die russische Generalstaatsanwaltschaft, Klein nach Bogota auszuliefern. Seine Anwaelte durchschritten alle russischen Gerichtsinstanzen und klagten schliesslich vor dem Europaeischen Gerichtshof fuer Menschenrechte in Strassbourg, das am 27. Mai das Auslieferungsverfahren vorlaeufig gestoppt hatte, "um sich mit dem Fall eingehender zu befassen". Am 31. Maerz dieses Jahres hat es die Auslieferung endgueltig untersagt. Begruendet wurde das Urteil mit der prekaeren Menschenrechtslage im suedamerikanischen Staat, es besteht die Gefahr, dass Klein im dortigen Gefaengnis von den Mitinsassen schlicht umgebracht werden koennte.  Dies verstosse gegen das humanitaere Auslieferungsverbot. Das kolumbianische Aussenministerium nannte das Urteil “beschaemend”. 
Da die russischen Behoerden die Entscheidung des Gerichts von 2008 respektierten und die Auslieferung aufschoben, gehen die Anwaelte Kleins davon aus, dass auch diesem Gerichtsenscheid gefolgt wird. Fuer Russland ist die Entscheidung dieses Gerichts zwar bindend, doch braucht Moskau keine Sanktionen zu befuerchten, sollte es die Entscheidung missachten. Dessen bewusst, hat sich Israel auf hoechster staatlicher Ebene fuer die Freilassung Kleins eingesetzt, u. a. soll Staatspraesident Peres bei seinen Gespraechen in Moskau auf die Freilassung Kleins gedraengt haben. Seine Anwaelte hatten in der Vergangenheit dem Aussenministerium, damals unter der Leitung von Zipi Livni, wiederholt vorgeworfen, sich um die Rettung des israeischen Staatsangehoerigen und Kriegshelden Yair Klein nicht wirklich gekuemmert zu haben. Das Aussenministerium wies die Vorwuerfe zurueck mit dem Verweis, dass wenn nicht oeffentlich ueber etwas diskutiert werde, es noch nicht bedeute, dass auch wirklich nichts getan werde. Klein hofft indes auf seine baldige Rueckkehr nach Israel. Es bleibt, auf die Gnade des russischen Staates zu hoffen. (Foto: Klein)

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