Sonntag, 30. Mai 2010

Israels Immobilienmarkt: die stärkste Seifenblase der Welt

Millionen von Israelis warten darauf, dass die abnormalen Preise endlich einbrechen und man eine tolle Wohnung zum Schnäppchenpreis ergattern kann. Sie vertagen die Investition auf das nächste Jahr und stellen in diesem nächsten Jahr jedes mal fest, dass man doch im vergangenen Jahr hätte kaufen müssen, weil die Preise schon wieder um 10-15% gestiegen sind. Und das geht schon seit Jahrzehnten so weiter. Diejenigen "Strategen“, die sich als Tölpel vorkommen, auf dem vermeintlichen Höhepunkt der Preise zu investieren kommen sich später als Tölpel vor, weil sie gerade das nicht gemacht haben, weil dieser Höhepunkt rückblickend betrachtet ein Witz war. So ergeht es Huntertausenden. Die Übernachfrage auf dem mikrigen Stückchen Land namens Israel lässt selbst eine hässliche Favela in der Umgebung der berüchtigten zentralen Busstation von Tel Aviv [Tachana Merkasit] mehr kosten, als ein Familienhaus irgendwo in der europäischen Provinz. Die Bevölkerung Israels wächst. Der Zuzug immer neuer Einwanderer, nach der grossen Aliyah aus der ehemaligen UdSSR, nun auch verstärkt aus Westeuropa, vor allem aus Frankreich, Lateinamerika und Südafrika – zweifelsohne ein Segen für Israel - treibt die Preise in astronomische Höhen. Der israelische Immobilienmarkt ist dauerüberhitzt. Und die Banken erhalten die Euphorie aufrecht und locken mit den „billigen“ Immobilienkrediten [Maschkantaot]. Experten befürchten derweil das amerikanische Szenario, bei dem die Banken eines Tages ohne Kreditrückzahler aber mit vielen Wohnungen bleiben werden, die sie nicht brauchen. Die Seifenblase des israelischen Immobilienmarktes erweist sich bisher stärker, als der robusteste Schnellkochtopf.
Unter den Experten und vor allem den Verantwortlichen in der Regierung und Verwaltung herrscht derweil eine fünf-vor-zwölf-Stimmung. Die israelische Steuerverwaltung hat dem Berufsphilosophen und nebenbei Finanzminister Juval Steinitz Empfehlungen zur Abkühlung der Lage vorgelegt. Die israelische Wirtschaftszeitung The Marker meldet, dass der Entwurf vorsieht, die Besteuerung des zweiten Wohnungskaufs zu erhöhen. Weil eine zweite Wohnung normalerweise nicht zu Wohnzwecken sondern als sichere Kapitalanlage erworben wird, wollen die Steuerfachleute der entfesselten Spekulation einen Riegel vorschieben, indem die Steuer auf eine Zweitwohnung generell auf 5% des Preises erhöht wird. Momentan wird diese Abgabe nur bei den Wohnungen ab 923.070 NIS fällig, darunter zahlen die Käufer 3,5% an den Staat. Als eine weitere Massnahme wird die Einführung der Mwst. beim Grundstückskauf durch eine Käufervereinigung vorgeschlagen. Die Zentralbank unter der Leitung von Prof. Stanley Fisher soll durch ihre Zinspolitik die Banken dazu bewegen, Kredite stärker zu verzinsen. Es wurde auch in der Vergangenheit vieles versucht, die entfesselten Preise auf ein halbwegs vertretbares Niveau zurückzuholen. Genützt hat das alles bisher nichts.

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