Donnerstag, 20. Mai 2010

Was ein US-General darf, darf ein arabischer Herrscher auch

Wir erinnern uns noch an die Aussage des Hussein-Generals Petraeus, dass der ungelöste Nahostkonflikt die US-Soldaten das Leben koste und den Sicherheitsinteressen der USA schade. Die Aussage wurde getätigt etwa auf dem Höhepunkt amerikanisch-israelischer Spannungen rund um die Baupolitik Netanjahus. Dieser durchsichtige Seitenhieb hat man in Jerusalem mit Fassungslosigkeit zur Kenntnis nehmen müssen: daran, dass die USA in Afganistan, Iran, Jemen und sonst überall auf der Welt, wo sie Frieden bewegen und blühende Demokratien schaffen, bis an die Ohren in Unreinheiten stecken, sind die Paar Häuser für jüdische Familien im nördlichen Jerusalem schuld - und nicht das Versagen der high tech-Armee gegen die Steinzeitsislamisten auf gepanzerten Eseln, bewaffnet mit Opium und verrosteten Kalaschnikows. Wen kümmert es da schon, wer sich den Gesprächen verschliesst und wer nicht.
Vor einigen Tagen hat der ägyptische Pharao Mubarak bei seinem Treffen mit Silvio Berlusconi in die gleiche Kerbe geschlagen: Israel provoziere den Terror "in allen Ecken dieser Welt" [wahscheinlich auch dort, wo man nicht weiss, wo Israel überhaupt liegt], indem es Hauptstreitfragen erst in einem fortgeschrittenen Verhandlungsstadium aufnehmen wolle. Israel besteht darauf, dass Hauptstreitfragen nur bei den direkten Verhandlungen aufgegriffen werden sollen, sofern es dazu komme. Nach Mubarak ist es aber nicht so schlimm, wenn man sich nicht mal über das Wasser, den Umweltschutz oder die so aktuelle Wirtschaftspolitik zwischen den Verhandlugnspartnern einigen kann - man kann getrost viel heissere Eisen anpacken. Die traurige Wahrheit ist leider, dass es völlig gleich ist, in welcher Reihenfolge der Themen man zum Scheitern und dem nächsten Krieg kommt. Das weiss auch der PA-Chefunterhändler auf Lebenszeit Saib Erekat, der erklärt, dass in vier Monaten eine Einigung kommen werde, mit dem, was dann von Israel übrig bleibt. Das weiss auch Mubarak, dass versteht jeder vernünftige Mensch.
Und all das nur deshalb, weil sich Hussein zum Ziel gesetzt hat, das seit mehreren Jahren dahin stagnierende explosive Gemisch "Nahost" wieder anzuzünden. Mehr als eine Waffenruhe und ein Gleichgewicht des Schreckens ist in Nahost in der absehbaren Zukunft nicht möglich. Hussein ist  aber eine Art verrückter Professor, dem zwei gleichgeladene Elementarteilchen keine Ruhe lassen, und er sie deshalb solange annähern will, bis es zur Kernreaktion kommt. 

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