Donnerstag, 17. Juni 2010

Globes: Erdogan blufft

Das israelische Wirtschaftsportal Globes hat eigene Untersuchungen zum Wahrheitsgehalt der Erklaerungen Erdogans zur angeblichen Beendigung einer ganzen Reihe teuerer israelisch-tuerkischer Projekte durchgefuehrt. Das Ergebnis: die Projekte, mit deren Aussetzung die tuerkische Regierung Israel schaden will, sind entweder bereits beendet oder haben nie existiert. Die Regierung Erdogan hat ihren schmutzigen Krieg gegen Israel erst dann begonnen, nachdem die Aufruestung der tuerkischer Panzer mit israelischer Elektronik abgeschlossen worden war, das Projekt is beendet, es gibt nichts zum "Einfrieren". Die in der tuerkischen Zeitung Today Zaman publizierte Information uebr die angeblich stornierte Anschaffung israelischer Merkava-Panzer ist frei erfunden, nie hatte Israel beabsichtigt, seine Panzer in die Tuerkei zu liefern, erklaerte das israelische Verteidigungsministerium gegenueber Globes. Was die Anschaffung der Rakten anbelangt, hat die Tuerkei gerade erst die Ausschreibung veroeffentlicht und Israel wird sich darum nicht bewerben. Noch vor 10 Monaten hatte die Tuerkei den israelischen Piloten Trainingsfluege ueber seinem Territorium verweigert, das ist nichts neues. Ein angebliches Programm zur Ausbildung tuerkischer Piloten in Israel gibt es nicht.
Andererseits hat der israelische Verteidigungskonzern Elbit mitgeteilt, dass es keine Aenderungen in den laufenden Projekten mit den tuerkischen Vertragspartnern gaebe. Projekte, an denen die Tuerkei interessiert ist, laufen weiter, trotz der breiten medialen Inszenierung ueber einen Boykott und den Aufrufen an die islamische Welt, dem tuerkischen Beispiel zu folgen. Die nicht namentlich benannte Quelle im israelischen Verteidigungsministerium, auf die sich Globes beruft, hat angegeben, dass ihr nichts ueber die Aussetzung laufender Projekte mit der Tuerkei bekannt ist.
Nach all dem kommen die israelische Beobachter zum Schluss, dass Erdogans Erklaerungen und deren Multiplizierung in den engagierten Zeitungen nichts weiter sind, als eine breite Stimmungskampagne zur Aufwertung der eigenen Rolle in der islamischen Welt. Auf der arabischen Strasse ist Erdogan laengst islamischer, als Ahmadinedschad und arabischer, als die Koenige Hussein oder Abdallah zusammengenommen. Aber er bewegt sich auf einen sehr duenen Eis aus Luegen und Zeitungsenten. 
Im US-Kongress waechst derweil die Empoerung ueber die brutale Wendung der Tuerkei, 126 Kongressmitglieder von beiden Parteien haben sich mit einer Petition an den Praesidenten gewandt, sich der Verurteilung Israels bei seinem Vorgehen gegen die Gaza-Flottille zu widersetzen. Die endgueltige Abstimmung im Kongress ueber den Voelkermord an der armenischen Bevoelkerung Anfang des 20 Jh, die aufgrund des Drucks aus dem Weissen Haus vertagt wurde, koennte bald wieder relevant sein. Der Republikaner Mike Pence sagte vor dem US-Kongress, dass die Tuerkei fuer ihren Kurswechsel teuer bezahlen werde.

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