Sonntag, 13. Juni 2010

Türkei: Versuch einer Gesichtswahrung

Der türkische Präsident Abdullah Gül verlangt von Israel eine Entschuldigung für sein Vorgehen gegen die Jihaddisten-Flottille vom 31 Mai. Andernfalls werde die Türkei seine Beziehungen zu Israel vollständig abbrechen, so Gül im Interview an die französische Le Monde. Ferner forderte er von Israel eine eingehende Untersuchung des Zwischenfalls und die Aufhebung der Gaza-Blockade. Auf die Frage des Journalisten, was die Türkei unternehmen werde, wenn Israel all das nicht tue, sagte er: "Alles ist möglich." 
Erdogan hat seinem Land keinen guten Dienst erwiesen. Mit seinen verbalen Eskapaden und Drohungen gegenüber Israel steht er nun unter Zugzwang.  Durch seine Aussagen, wie "es wird nichts mehr so sein wie früher" in den  Beziehungen zu  Israel oder die Drohungen, selbst an Bord der nächsten Gaza-Hilfstruppe zu sein und sich von NATO-Kriegsschiffen begleiten zu lassen, ist er viel zu hoch auf den Baum geklettert, um ohne Gesichtsverlust wieder am Boden der Tatsachen anzukommen.  Denn er muss entweder tatsächlich seine Schiffe nach Israel schicken und zusehen, was dann passiert, oder als blosses Rumpelstilzchen dastehen. Seinem bodenständigeren Parteigenossen und Präsidenten Abdullah Gül fällt nun die undankbare Aufgabe zu, eine Hintertür für eine Normalisierung der Beziehungen mit Israel offen zu lassen, ohne als Verlierer dazustehen. Während für Erdogan "nichts mehr so sei wie früher", ist Gül bereit, "zu vergessen und zu verzeihen", sollte sich Israel entschuldigen. Noch ein Detail: während die EU, die UNO und jeder, der nicht zu faul dazu ist, eine internationale Untersuchung fordert, begnügt sich die türkische Regierung mit der israelischen Untersuchung, der evtl ein oder mehrere türkische Beobachter angehören sollen. Wie wir berichteten, kann die jetzige türkische Regierung und die von ihr geförderte "gemeinnützige" IHH kein Interesse an der Offenlegung ihrer Kontakte mit den weltweiten Terrornetzwerken haben. 
Inwieweit Israel diesen Forderungen entgegenkommt, ist erstmal unklar, doch die absurdeste aller Forderungen - die förmliche Entschuldigung - kann sich Erdogan sicherlich abschminken.  Angemessener wäre, wenn er sich bei Israel und seinen eigenen Landsleuten für die gewalttätige Provokation entschuldigen und versprechen würde, seine finanziellen Hilfsleistungen an die HAMAS künftig auf dem üblichen Landweg zu organisieren. (Foto: Gül)

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