Dienstag, 6. Juli 2010

Pflegefall "Beziehungen"

Während der Übergang zu direkten israelisch-palästinensischen Verhandlungen als das "Thema Nr 1" beim heutigen Gipfel in Washington verkündet wurde, konnte es allenfalls das Thema Nr. 4 oder 5 gewesen sein. Das "Thema Nr. 1" war es ohne Zweifel, sich selbst und der Öffentlichkeit zu zeigen, dass man sich trotzedem lieb hat und konstruktiv und respektvoll miteinander sprechen kann, auch wenn man sich nicht leiden kann und weder konstruktiv noch überhaupt respektvoll miteinander sprechen kann und will, und alle das auch wissen. Im Unterschied zum ersten Treffen hatte jeder die Krawatte in den eigenen Nationalfarben an. Vor allem der US-Präsident hatte gesteigerten Bedarf, dringend vor den künftigen Kongresswahlen und der ganzen Welt zeigen, dass er den israelischen Regierungschef nicht nur durch den Ersatzeingang und ohne Pflichtfototermin, wie beim letzten Treffen, sondern durchaus auch durch den Haupteingang und mit vielen Fotos hereinlassen und sogar eine gemeinsame Pressekonferenz veranstalten kann. Das Thema Nr 2 war sicherlich Iran und die Besprechung bzw Koordinierung möglicher gemeinsamer Vorgehensweisen. Das Thema Nr. 3 - die Flottille und die realitätsfremden türkischen Anmassungen sowie die Blockade Hamastans, deren Aufhebung Hussein "geschätzt" hatte; und schliesslich, das "Thema Nr. 1" - direkte Verhandlungen, sprich "die palästinensiche Sache". Hier verlangte Hussein die Aufnahme direkter Annäherungsversuche noch vor Ablauf des "Siedlugnsmoratoriums".
Zuhause in Israel wertet man jetzt schon die Tatsachen, dass Hussein weder die Verlängerung des Moratoriums ansprach, noch die israelische Beteiligung am Atomwaffensperrvertrag forderte und die Forderungen von Erdogan und Davutoglu auch nicht erwähnte - als "Sieg". Bodenständigere Beobachter sagen, dass die wirklichen Ergebnisse erst in den kommenden Tagen ans Tageslicht gelangen werden, sowie, dass eine Nichterwähnung bestimmter Forderungen in einer schlecht verpackten "Friede-Freude-Eierkuchen-Pressekonferenz" nichts mit deren Bestehen oder Nichtbestehen zu tun hat. Von Abbas forderten beide eine schnelle Zustimmung zur Aufnahme der Verhandlungen. Man hat es in den anderthalb Jahren gelernt, sich lächelnd zu verachten.

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