Montag, 12. Juli 2010

Streit um Gijur-Reformgesetz

Der von MK David Rotem vorbereitete Gesetzesentwurf zum Gijur [Uebertritt zum Judentum] hat ein unterschiedliches Echo ausgeloest. Heute soll ueber das Gesetz in der Legislativkommission der Knesset, der Rotem vorsitzt, abgestimmt werden. Es sieht u. a. eine Vereinheitlichung der Gijur-Prozedur vor, indem diese unter die ausschliessliche Kompetenz des israelischen Hauptrabbinats gestellt wird. Ein weiterer Punkt ist die Forderung an den Uebertrittswilligen, die gesamte Schwere der Tora und der halachischen Gebote auf sich zu nehmen. 
Kritiker sehen in den beiden Punkten vor allem die Gefahr der Spaltung der Gemeinde Israels und der Diaspora. Da das Hauptrabbinat vor allem von der ultraorthodoxen Richtung beherrscht wird, ist es wenig wahrscheinlich, dass die Konvertiten, die ihr Gijur im Ausland absolviert haben, vor allem in den USA, wo Reform- und Konservativjudentum dominieren, ihren Status in Israel anerkannt bekommen. Auch im Punkt mit der Schwere der Tora sehen die Kritiker die impliziete Aufforderung, einen ultraorthodoxen Lebensstil zu fuehren. Das Ziel der Gesetzesinitiative ist es vor allem, die Prozedur des Gijur der Verantwortung der Rabbiner, ausser den staedtischen und dem Hauptrabbinat, zu entziehen und somit auch Faelle auszuschliessen, in denen die von einigen Rabbinern ausgestellten Gujure vom Hauptrabbinat nicht anerkannt werden. 
Das Gijur-Verfahren ist immer ein sensibles und komplexes Thema gewesen, angesichts der Vielfalt der Stroemungen und der vielfaeltigen Zuwanderung aus allen Ecken der Welt. Es ist immer eine Gratwanderung zwischen der Notwendigkeit, die Grundsaetze des Judentums nicht zu verwaessern und die Prozedur nicht zu einem formellen Akt verkommen zu lassen, um vor allem steuerrechtliche und eherechtliche Vorteile zu erlangen, ohne eine wirkliche Beziehung zum Judentum entwickelt zu haben, die Fahrlaessigkeit und Willkuehr auszuschliessen - andererseits den Uebertrittswilligen den Weg zum Judentum nicht von vorne herein mit unueberwindbaren Huerden zu verbauen und diejenigen zu verprellen, die Teil des Volkes Israel werden wollen.

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