Donnerstag, 19. August 2010

Der Krieg ist vorbei - der Krieg kann beginnen

Am Morgen des 19. August überquerten die 4-te Kampfbrigade und die 2-te Infanteriedivision der US-Streitkräfte im Irak die Grenze zu Kuweit. Mit dem Abzug der letzten Kampftruppen ist der 7,5 Jahre lange Irak-Krieg für die USA weitgehend beendet. Die knapp über 50.000 Mann, die im Irak bleiben, sollen ausschliesslich zivile Aufgaben erfüllen, etwa die Ausbildung der irakischen Streitkräfte und der Polizei.
In Israel vergleicht man die Flucht der Amerikaner aus dem Irak mit dem Abzug Israels aus dem Südlibanon 2000. Anstelle der Zahal und christlichen Falangisten ist dort jetzt die Hisbollah Herr der Lage. In den sieben Jahren konnten die Amerikaner im Irak nicht nur keine "blühende Dekokratie" aufbauen, sondern nicht einmal eine halbwegs funktionierende, möglichst prowestliche Diktatur. Mehr ist in einem islamischen Land nicht zu haben.
Al Qaida und schiitische Terrorgruppen feiern ihren Sieg, sie haben jetzt eine Handlungsfreiheit im ganzen Land, von der sie zu Zeiten Saddams nur träumen konnten. Und der Iran betrachtet den erdölreichen schiitischen Süden des Irak, aus dem 60% des irakischen Öls stammen, schon länger als Teil des eigenen Staatsgebiets. Der im Juli an den Irak überstellte ex-Aussenminister unter Saddam Tarik Aziz sagte hinsichtlich des Abzugs der USA, die Amerikaner "werfen das Land den dunkelsten Kräften zum Frass vor". Er weiss wovon er spricht. Saddam mag ein brutaler Diktator gewesen sein, sein totalitäres sunnitisches Regime hätte aber das iranische Atomwaffenprogramm nie so weit gedeihen lassen. Der Iran-Irak-Krieg, mit Einsatz von C-Waffen auf irakischer Seite, dauerte acht Jahre. Die Zerstörung dieses Gleichgewichts des Scheckens zwischen dem Irak und dem Iran wird übermorgen seine erste weitreichende Konsequenz haben, wenn kein Wunder passiert: den Reaktorstart in Buscher.

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