Donnerstag, 26. August 2010

Israels Zukunft nach Buscher

Der ägyptische [Waffen-] Industrieminister Sayed al-Maschal hat in Bezug auf  den Reaktorstart in Buscher und den darauf follgenden militaristischen Durchfall des iranischen Regimes - vier erfolgreiche Tests "neuer" Waffensysteme in einer Woche -  erklärt, dass, aus seiner Sicht, der Iran keine Gefahr für Israel darstelle - aber "eine direkte und unmittelbare Bedrohung für die Sicherheit der arabischen Staaten." Er ist das erste ägyptische Regierungsmitglied, das sein Land offen gegen den Iran positioniert. Zuvor hatte sich mit der ähnlichen Äusserung nur ein saudischer Diplomat in Washington vor einem Monat aus dem Fenster gelehnt. Seit Aegypten die israelische Kriegsflotte durch den Suez fahren liess, ist Mubarak ohnehin schon auf der "Prioritätenliste" Ahmadinedschads ganz oben, vielleicht gleich nach dem saudischen König, der seine Wahhabiten in den Irak  und den Iran [Jundallah] schickt. Zur Begründung seiner These führte el-Maschal nicht nur die besagte militärische Begeisterung der IRI an, sondern vor allem die zunehmende Aktivität iranischer Zellen in den arabischen Staaten, allein in Bahrain wurden im vergangenen Monat etwa 250 mutmassliche iranische Schläfer verhaftet, wonach der Zwergstaat erklärt hatte, wie berichtet, dass man mit dem Krieg gegen den Iran lieber nichts zu tun haben möchte, und den Amerikanern die Nutzung der eigenen Militärbasis auf der Insel "verboten". Ägypten hat z. B die Sinai-Halbinsel schon längst nicht mehr im Griff und ist beim Ausräuchern schiitischer Terrorzellen auf die Hilfe Mossads angewisen, im Jemen ist die Hölle los, die Saudis und VAE schliessen dutzende Firmen die im Verdacht stehen, mit dem Iran Geschäfte zu machen, oder auch nur prophylaktisch, und kaufen sich  alles, was die Waffenpalette des Pentagon so bietet. In seinem Vortrag vor der ägyptischen Journalistenvereinigung sagte el-Maschal, dass der Iran nicht nur für die Araber, sondern auch für Europa eine Gefahr darstelle: "Sollte der Iran mit der Produktion von Raketen mit der Reichweite von 3000 km beginnen, wird dies Europa zwingen, konkrete Schritte zu unternehmen, um die iranischen militärischen Ambitionen abzukühlen." Seelig ist, wer glaubt, aber wo ist die Garantie, dass der Iran diese Raketen nicht bereits hat, mit seinen Kontakten zu Nordkorea? "Seit der Gründung Israels hat der Iran keinen einzigen Schuss in seine Richtung abgegeben", so el-Maschal weiter. Auch die Tatsache, dass die Hisbollah sich selbst "nicht als Partei im Konflikt" während des Gegossenen Bleis gesehen hatte, beweise aus seiner Sicht, dass der Iran und seine Satelliten nicht wirklich gegen Israel Krieg führen wollen. [Die Schiitenmiliz distanzierte sich auch vom Grenzzwischenfall vom 3. August. Red.] Die iranische Bombe sei also in erster Linie für die Araber reserviert - und die Hasstiraden Ahmadinedschads in Richtung Israel nur eine Rauchwolke dafür. Hier ist jede Menge drin, Richtiges wie Falsches.
Die israelischen Journalisten beeilten sich schon zu erklären, dass Israel "einen neuen Verbündeten" gegen den Iran habe. Natürlich ist das ungewöhnlich und man freut sich jedes mal, wenn ein Vertreter eines arabsichen Staates für Israel etwas anderes übrig hat, als Beschimpfungen oder Drohungen. Aber für einen Verbündeten reicht es leider nicht. Denn die Kehrseite dessen was el-Maschal gesagt hat, ist, dass ja die Araber in ihrer ganzen Geschichte viel mehr, als nur "einen einigen Schuss in Richtung Israel" abgegeben hatten und noch eine ganze Menge auf Lager haben. Dass die gesamte arabische Welt gegenwärtig versucht, hinter dem Rücken Israels die iranische Bedrohung auszusitzen, sollte nicht den Blick darauf verstellen, dass nach der Beseitigung der iranischen Gefahr alles wieder seinen gewohnen Lauf nehmen würde. Und die israelische Regierung, der Freier [Hebr. für Tölpel] der Region, gedenkt nicht einmal, als "Gegenleistung" zumindest mit den VAE und den Saudis einen Friedensvertrag auszuhandeln, wenn Israel schon ihre Haut retten soll, mit der eigenen zusammen. Sie bereitet sich stattdessen zusammen mit der der PA auf ihren Auftritt in der husseinschen Muppet Show am 2. September vor.
Aber wenn die Araber Israel benutzen wollen, welchen Sinn macht dann diese offene Kriegserklärung des [grössten] arabischen Landes an das Schiitenreich? Keinen. Sie ist eine Art Affekthandlung, eine Überreaktion angesichts der iranischen Erfolge - egal wie wirklich sie sind - und der Untätigkeit Israels und der USA. Die arabische Welt, vor allem die mit Fett vollgelaufenen Königshäuser der Saudis und der Emirate stellen sich nur eine Frage: was passiert, wenn Israel und die USA auch weiter nichts tun? Und dann tritt auch noch nicht mal eine Woche nach Buscher der andere, Khaled, Maschal, der politische Führer der  iranischen Exklave Hamas, auf und droht Mubarak mit "katastrophalen Folgen", sollte dieser sich an der Muppet Show in Washington beteiligen. Die Stimmung in den arabischen Regimes transformiert sich langsam vom nüchternen Machtkalkül zur Panik, aber diese ist begründet. Wenn der Iran für Israel nicht gefährlicher ist, als für die arabisch-sunnitische Welt, wieso muss dann Israel handeln? Und deshalb findet dort ein Umdenken dahingehend statt, dass man notfalls auch mal selbst zu etwas in der Lage sein muss, wenn die anderen Iran samt Satelliten auch weiter gewähren lassen. Ägypten hat vor zwei Tagen bekanntgegeben, in der Nähe seiner Mittelmeerküste und nahe der Grenze zu Israel ein AKW zu bauen, das "ausschliesslich friedlich" sein werde. Das Projekt hat bereits einen Namen: "El Daba". In Jerusalem äusserte man Besorgnis über die Baupläne, berichtet der israelische Armeerundfunk Galej Zahal.  
Falsch ist, dass der Iran keine Bedrohung für Israel darstellt, da hat der ägyptische Minister etwas übertrieben. Wenn der Iran bislang keinen Krieg gegen Israel führte, stimmt für die neue Geschichte zwar, aber mit Blick auf die Zukunft heisst das rein gar nichts, Auschwitz war auch etwas neues. Für Israel wird aus dem sich anbahnenden schiitisch-sunnitischen Gemetzel nicht das Geringste herausspringen, für die Juden wird im Nuklearprogramm von beiden ein fester Platz reserviert bleiben. Buscher hat in Nahost eine atomare "Kettenreaktion" ausgelöst, mit unabsehbaren Folgen. Nach Buscher ist Israels Zukunft finster.

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