Montag, 23. August 2010

General Yoav Galant

Generalmajor Yoav Galant
Die Ernennung des neuen Generalstabschefs durch den Verteidigugnsminister Barak ist nicht nur Hauptthema in saemtlichen israelischen Grosszeitungen, sondern beschaeftigt auch die arabische Presse. Der Grundton in in Israel richtet sich kaum gegen die Personalie Galants, sondern viel mehr gegen den Zeitpunkt und die Art und Weise seiner Ernennung.
Yosi Verter von der Haaretz beschreibt die Ernennung Galants kaum zwei Tage nachdem der Ombudsmann den Auswahlprozess ueberhaupt wieder genehmigte, als "Blitzschlag" - Barak bedeutet "Blitz" im Hebraeischen - die Regierung Israels handele schnell und unberechenbar, wie das Spezialkommando des Generalstabs [Sajeret Matkal], in dem beide, Netanjahu wie Barak [Netanjahu unterstand Baraks Befehl], mal dienten. Barak habe drei Fliegen mit einer Klatsche getoetet: er habe gezeigt, wer Herr im Hause "Verteidigungsangelegenheiten" sei, Netanjahu seine Kandidatur aufgezwungen und den Rachefeldzug gegen Aschkenasi zum logischen Ende gebracht. Letzterer  wurde ein halbes Jahr vor Dienstschluss von Barak zur "humpelnden Ente" gemacht. Amir Buhbut von der Maariv nennt die juengste Aktion Baraks  eine "punktuelle Liquidierung". Nicht nur aus der Sicht seiner unmittelbaren Umgebung gilt Aschkenasi als derjenige, der die Armee - nach der Regentschaft seines Vorgaengers Dan Halutz, der die Armee im zweiten Libanon-Krieg befehligte - wiederherstelle, wichtige interne Reformen und Restrukturierungen einleitete, deren Notwendigkeit die Blamagen des Krieges offengelegt hatten.
Politische Beobachter der Haaretz schliessen nicht aus, dass Aschkenasi fruehzeitig abtreten koennte: nach israelischem Gesetz darf sich ein ex-Generalstabschef drei Jahre nach Dienstschluss weder der Knessetwahl stellen, noch ein Ministeramt bekleiden. Sollte Aschkenasi etwas davon erwaegen, muesste er, angesichts des naechsten regulaeren Wahltermins im Oktober 2013, seinen Deinst im September des laufenden Jahres quittieren. Auch Analysten der Debka sagen angesichts der eiligen Ernennung Galants den fruehzeitigen Ruecktritt Aschkenasis voraus, erklaeren dies aber mit der notwendigen Konsolidierung im Generalstab, der sich angesichts der multiplen Bedrohungen und der Vernichtungfront, die sich rund um Israel zusammenbraut, die schmachvolle Beschaeftigung mit sich selbst nicht laenger leisten darf. Barak hat damit in jedem Fall die Personalquerelen in der obersten Armeeriege beendet, von denen das unsaegliche "Galant-Papier" noch eine unbedeutende Spitze des Eisbergs sein koennte. Auch Dan Margalit von der Israel Hayom nennt die schnelle Klaerung von Personalfragen angesichts der Situation im Generalstab einen "notwenigen chirurgischen Eingriff". Ben Kaspit von der Maariv aeussert dagegen seine Verwunderung ueber die Demontage Aschkenasis seitens seines Dienstherren und ist sich sicher, dass, so viel man Aschkenasi kennt, er bis zum letzten Tag den Generalstab fuehren werde.
Yoav Galant, 51, vertritt die neue Generation der Zahal, er wurde nach dem Jom-Kippur-Krieg einberufen. Sollte Galant im Kabinett bestaetig werden, waere er der 20-te Generalstabschef und der erste, der aus der Kriegsmarine kommt. Laut Ofer Schelach von der Maariv ist Galant in der israelischen Generalitaet immer ein Einzelgaenger gewesen, nicht nur weil die meisten anderen aus den Bodentruppen oder der Luftwaffe kommen, sondern auch rein charakterlich. Dem gegenueber verfuege Galant aber ueber weitreichende Beziehungen im politischen Establischment, rei Jahre lang war er militaerischer Sekretaer des PM Ariel Scharon.
In der arabischen Presse konnte die Ernennung des gegenwaertigen Oberbefehls der Region Sued, der die Operation "Gegossenes Blei" befehligte, naturgemaess keine Begeisterung ausloesen, wie im uebrigen auch sonst jeder Generalstabschef der Zahal, die Zahal allgemein und Israel ueberhaupt. Das schwerste Geschuetz fuhr die in den VAE herausgegebene Zeitung "al Halig" auf: "Der Metzger Gazas zum Leiter des Generalstabs der Besatzungsarmee ernannt". Der 2009 mit Blei uebergossene Terrorverein Hamas wettert, die Ernennung bestaetige einmal mehr "das terrorostische Verhalten des zionistischen Gebildes."

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