Sonntag, 1. August 2010

Peres' Antwort an Cameron

Praesident Schimon Peres hat in ungewoehnlich scharfer Form auf die Aeusserungen des britischen Premiers Cameron von letzter Woche - wir berichteten - reagiert. Die provokativen Entgleisungen Camerons, Gaza sei aufgrund israelischer Politik ein "Lager", Israel solle die Blockade, [die es aufgehoben hatte], aufheben, die Tuerkei sei der einzig moegliche Vermittler und eine "friedenstiftende" Macht in Nahost, und aehnlicher Irrsinn, haben in Israel weniger Veraergerung, denn blosses Staunen ausgeloest. Am Vorabend der Geburtstagefeier zu seinem 87 Lebensjahr sagte Peres in einem Fernsehinterview u. a.: "In England werden diejenigen als Antisemiten bezeichnet, die Juden mehr hassen, als sich gehoert. [...] 1947 enthielten sie sich bei der Abstimmung zum UN-Teilungsplan, in den 50er Jahren belegten sie uns mit dem Waffenembargo, sie handelten immer gegen uns und hielten die Araber fuer Pechvoegel", so Peres. Selbst der britische Botschafter in Israel sah sich gezwungen, die "inkorrekte und provokative Rhetorik" Camerons zu erklaeren: es sei nicht dessen Ziel gewesen, Israel anzugreifen oder Jerusalem an der Freundschaft Grossbritanneins zweifeln zu lassen - damit habe er nur zum Ausdruck bringen wollen, dass die "Verschlechterung der humanitaeren Lage in der PA nachteilig fuer das Image Israels und die Friedensverhandlungen" sei.
Dabei erwaehnte Peres das Verbrechen der Mandatsmacht Grossbritannien - in Erez Israel vor der Wiedergruendung des Staates Israel - namens "Weissbuch" gar nicht, wie auch ihren blutigen Zickzack-Kurs gegenueber den Juden und Arabern zur Zeit des I Weltkrieges. Gleichzeitig stellte er die, vor diesem Hintergrund, "wunderbaren" Beziehungen zwischen Israel und den anderen europaeischen Maechten wie Frankreich, Deutschland oder Italien heraus. So etwas nennt man Zweckoptimismus. Nachdem die Antwort Peres' auf der nasskalten Dunstinsel einen Sturm der Entruestung ausloeste, gab seine Kanzlei, wie es sich gehoert, eine Pressemitteilung heraus, in der es hiess, dass man ihn dort falsch verstanden habe, aehnlich wie man auch Cameron falsch verstanden hatte - das alles hatte er sicher gar nicht so gemeint.

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