Donnerstag, 12. August 2010

Schusswechsel vom 3. August: nochmal die Kurve gekratzt

Die panarabische Ash-Sharq al-Awsat berichtet, dass der Angriff libanesischer Scharfschuetzen auf israelische Offiziere an der Grenze und das anschliessende Gefecht sich real zu einem Regionalkrieg haette ausdehnen koennen. Die Zeitung berichtet unter Berufung auf "gut informierte franzoesische diplomatische Quellen", dass nach Ausbruch des Gefechts Israels Verteidigungsminister Ehud Barak eilig den franzoesischen Aussenminsiter Kouchner anrief und ihn darueber informierte, dass die Zahal eine grossangelegte Operation in Libanon plante, mit dem Ziel, "der libanesische Armee eine Lektion zu erteilen" und die feige Ermordung des Kommandeurs der israelischen Ingenieursbrigade zu raechen. Der Anruf Baraks hat ein hektisches Gewuehl  in den hoechsten diplomatischen Kreisen Eurabiens und der USA ausgeloest. In die Bemuehungen zur Verhinderung des Dritten libanesischen Krieges schalteten sich umgehend u. a. die US-Aussenministerin Clinton und Frankreichs Praesident Sarkozy sowie einige arabische Staatschefs ein. Schliesslich musste sich Israel dem "enormen internationalen Druck beugen" und seinen Vergeltungsangriff im Libanon in letzter Minute abblasen. Interessant ist das von der Zeitung angefuehrte Satz des israeliscnhen Verteidigungsministers, der beim Telefonat gefallen sein soll: "Israel hatte diesen Vorfall nicht geplant, ihn hatte auch die libanesische Armee nicht geplant." Darin war klar, wen sich Israel ggfs. im Falle der Aktion vornehmen wuerde. Zwei weitere Faktoren sollen auf Israel eine daempfende Wirkung gehabt haben: die Tatsache, dass die Hisbollah sich eilig vom Vorfall distanzierte, und dass Israel kein Interesse am Krieg mit der libanesischen Armee haben kann, da diese die einzige Kraft ist, die das "Problem Suedlibanons" [m. a. W. die Hisbollah] loesen kann. Frankreich sei aber mit der Lage in Libanon "zufrieden": "Es gibt zum gegenwaertigen Zeitpunkt keinen Buergerkrieg in Libanon, keinen Regionalkrieg und keinen Konflikt mit Syrien."

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