Sonntag, 29. August 2010

Streit unter Freunden

Davutoglu, Mottaki
Das iranische Aussenministerium hat im Zusammenhang mit den andauernden Übergriffen der Türken auf iranische Pilger in der osttürkischen Provinz Van der Regierung in Ankara einen offiziellen Protest übermittelt. In der Erklärung heisst es, dass, obwohl bei den Zwischenfällen der letzten Tage [die örtliche Bevölkerung bewarf Busse mit iranischen Pilgertouristen mit Steinen] niemand ernsthaft verletzt wurde, sie einen "grossen Schaden an den bilateralen Beziehungen verursachen". Die feindlichen Übergriffe auf die Pilger können "zum vollständigen Abbruch des iranischen religiösen Tourismus in die Türkei führen", heisst es im Protestschreiben, und man hoffe, dass dahinter vereinzelte Gruppen und Individuen stehen, und nicht die türkische Regierung. In der Vergangenheit war noch eine völlige Visafreiheit zwischen dem Iran und der Türkei im Gesrpäch.
Unzufriedenheit herrscht jedoch nicht nur auf iranischer Seite: das türkische Aussenministerium ist ausser sich wegen der jüngsten Erklärung des iranischen Vize-Präsidenten Hamid Baghai zum türkischen Genozid an den Armeniern. Auf einer Konferenz zur Eröffnung einer Ausstellung zum Zweiten Weltkrieg im Iran sagte Baghai, dass der Iran von den Staaten der Anti-Hitler-Koalition Schadensersatz fordern sollte, ähnlich, wie es Japan für den Atombombenangriff der USA 1945 oder Armenien für den Genozid an den Armenier im Osmanischen Reich getan haben. Wie die türkische Hurriyet meldet, rief der wütende Aussenminister der Türkei Davutoglu seinen iranischen Kollegen Manutschehr Mottaki daraufhin an und verlangte eine Klarstellung. Mit den vagen Verweisen auf Missverständnisse gab sich Davutoglu nicht zufrieden und verlangte ein persönliches Gespräch mit Baghai. Auch innenpolitisch ist Baghai unter Beschuss geraten, weil seine Äuesserungen den iranisch-türkischen Beziehungen schaden, während die Türkei einen "enormen Beitrag zum iranischen Atomprogramm" leiste. Baghai selbst hat gegenüber FаrsNews klargestellt, dass er lediglich "leicht angedeutet" habe, dass es einen Konflikt zwischen den Türken und den Armeniern gab, ohne selbst Position zu beziehen.

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