Sonntag, 8. August 2010

Tourismusministerium bestellt US-Botschafter ein

Wir wollen hier nicht unbescheiden sein, aber es sieht so aus, als ob der Tourismusminister Stas Misezhnikov unseren Artikel von Vorgestern ueber die US-Reisewarnung fuer Israel nicht nur sehr genau durchgelesen, sondern auch als Anlass zum Handeln gesehen hat. Nun, Misezhnikov kann kein Deutsch - soweit uns bekannt ist - und die Nachricht ueber die Reisewarnung hat ihn auch sicherlich auf anderen Wegen erreicht, aber es bleibt eine Tatsache: die "selektive" US-Reisewarnung fuer Israel, besonders fuer die Touristenmetropole Eilat, die vor Kurzem unter Raketenbeschuss stand - nicht aber fuer Jordanien bzw. Aqaba, wo dieser ein Todesopfer hinterliess und auch konkreten Schaden anrichtete - hat ihn gehoerig veraergert.  Sie ist in der Tat ungerechtfertigt: selbt vor dem Gegossenen Blei, als die Raketen im Sueden im Minutentakt landeten, gab es keine Reisewarnung fuer Eilat. Der wirtschaftliche Schaden fuer das angesagte israelische Touristenziel mit einmaligen Korallenriffen, allerlei goldenen Fischchhen und Unterwasserobservatorien ist selbstevident, und die Reisewarnung des State Department fuer die US-Buerger ist hinreichend, um auch alle anderen Touristen abzuschrecken. Bei der Verwunderung blieb es nicht: der Tourismusminister hat, wie Arutz 7 meldet, den US-Botschafter in Israel James Cunningham einbestellt, um von ihm die Gruende fuer die Entscheidung seines Landes erlaeutern zu lassen. Hinzuzufuegen bleibt nur, dass die Reisewarnung ja nicht nur fuer Eilat, sondern allgemein fuer Israrel ausgestellt wurde - und da sind andere Gruende im Spiel [siehe unseren Arkitel vom 06.08.10].
Aber es gibt hier auch eine andere Dimension: Israel moechte den US-Botschafter einbestellen. Und, es bestellt ihn nicht der Aussenminister, sondern das nachgeordnete Tourismusministerium ein. In den diplomatischen Prozeduren folgt nach einer Einbestellung fuer Erklaerungen, als naechste Eskalationsstufe die Aushaendigung einer Protestnote bzw. ein Austausch von Protestnoten, die Abberufung des Botschafters fuer Konsultationen und dann eigentlich der Abbruch. Soweit wird es sicherlich nicht kommen. Man ist es aber mehr gewohnt, wenn Israels Botschafter ueberall auf der Welt - letztens in UK und Portugal, wir berichteten - zitiert werden, als umgekehrt. Israel ist offensichtlich dabei, seine Selbstwahrnehmung als Pruegelknabe der Welt, ein Rudiment der Sklavenpsychologie und der jahrhundertelangen Vertreibung, langsam abzulegen und sich etwas zuzutrauen, was anderswo ein gewoehnlicher Vorgang ist. 1981 holte Menachem Begin zum Rundumschlag gegen die USA aus und bestellte den US-Botschafter ein - verloren hatte Israel damals nichts. Aber man muss auch Begin sein, wer Netanjahu nicht ist. 
Aber wir sind weit davon entfernt, diesen an sich regulaeren Vorgang ueberzubewerten - und peinliche Rueckzieher hatte Israel auch genug gemacht, zuletzt etwa mit der internationalen Flottillen-Untersuchung, an der man jetzt mitwirke. Da hat Netanjahu alle moeglichen freundlichen Kraefte vor den Kopf gestossen, vor allem die US-Kongressabgeordnete, die gegen die tendentioese Untersuchung Sturm liefen und an den US-Praesidenten Petitionen schrieben, diese nicht zu unterstuetzen. So etwas macht man nicht.

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