Mittwoch, 15. September 2010

Hinrichtung Eichmanns in Israel: Hintergruende

Adolf Eichmann (NRG-Maariv)
Die Online-Ausgabe der Tageszeitung Maariv NRG hat heute die Ergebnisse einer unabhaengigen Untersuchung des deutschen Journalisten Gabi Weber veroeffentlicht, der sich mit dem Fall Adolf Eichmann und seiner angeblichen Entfuehrung durch den israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad beschaeftigt. Sein Ergebnis: die seit Jahrzehnten geltende Version, Eichmann, das fuer die Umsetzung der industriellen Judenvernichtung zustaendige Mitglied der engeren NS-Fuehrungsriege - sei durch Mossad-Agenten in einer komplizierten Operation in Argentinien festgenommen worden - entspricht nicht der Wahrheit. Jedenfalls nicht in dem Punkt, dass es sich um ein reines israelisches bzw von Israel initiiertes Unternehmen handelte.
Unter Berufung auf die ca. 2400 Seiten umfassenden Unterlagen des BND aus dem Zeitraum der 50er und 60er Jahre zu dem Fall behauptet Weber, dass die Regierung Adenauer Eichmann selbst an Israel auslieferte, nachdem sie zum Schluss gekommen war, dass er eine Bedrohung fuer die erste Nachkriegsregierung sein koennte, sollte der fluechtige NS-Verbrecher zu sprechen anfangen. Aus dem gleichen Grund hatte die Bundesregierung selbst nie von Argentinien die Auslieferung Eichmanns gefordert. Befuerchtet wurde vor allem, dass er den damaligen Staatssekretär von Adenauer Hans Globke belasten koennte, der bedeutende Staatsaemter im NS-Regime bekleidete und an der Ausarbeitung von Rassengesetzen [„Blutschutzgesetz“] massgeblich beteiligt war - aber evtl. nicht nur Globcke, bei dem schon die oeffentlich bekannten Daten ein klares Bild ergeben. Der BND wusste ueber den Aufenthaltsort Eichmanns in Buenos Aires und seine Identitaet, unter der er dort lebte ['Ricardo Klement'] bescheid. Diese Daten bekam auch die CIA, tat aber auch nichts. Der BND wurde von der Bundesregierung schliesslich angewiesen, diese Daten an Israel herauszuruecken, nachdem man israelischerseits die Zusicherung bekommen hatte, dass saemtliche Aussagen und Angaben Eichmanns im kommenden Prozess, die die amtierende Bundesregierung belasten koennten, geheim bleiben werden. Israel ging auf die Bedingung ein. Das Todesurteil gegen Eichmann 1962 war und bleibt das einzige verhaengte und vollstreckte Todesurteil in Israel. Ungeklaert wird noch lange bleiben, wer Eichmann bei der Flucht half und wen in der damaligen Bundesregierung und Verwaltung er noch haette belasten koennen. Deshalb, schreibt Weber, werden die Regierungen der USA, Deutschlands und Israels die restlichen Unterlagen aus der Sache Eichmann wahrscheinlich "nie veroeffentlichen".

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