Montag, 27. September 2010

Was tun gegen Antisemitismus?

Eine Metamorphose von einem Skinhead oder Hisbollah-Mitglied zu einem orthodoxen Juden ist selten anzutreffen, deshalb hat die CNN zu einem solchen Fall extra einen kleinen Dokumentarfilm gemacht. Olga und Pavel sind ein Ehepaar aus Warschau, beide waren Mitglied im oertlichen Neonazi-Verein. Wie es sich gehoert, waren sie fest davon ueberzeugt, dass saemtliche Probleme Polens von den Juden herruehren. Eines Tages erinnerte sich Olga an ein Gespraech mit ihrer Mutter als sie 13 Jahre als war: die Mutter hatte damals knapp erwaehnt, dass ihre Eltern juedische Wurzeln haetten. Als Kind hatte sie sich damit natuerlich nicht weiter beschaeftigt, aber es blieb haengen. Olga wandte sich in ihrer Verzweiflung an das polnische Institut fuer juedische Geschichte, eigentlich in der Hoffnung, den "boesen" Verdacht, sie koennte Juedin sein, zu widerlegen. Als sie davon erfuhr, dass sie von der Abstammung her tatsaechlich Juedin ist, waren ihre Gefuehle ein Gemisch aus Schock, Wut und Angst. Ihrem Ehemann widerfuhr genau dasselbe: er fand Dokumente, aus denen seine juedische Herkunft folgt, und wandte sich an den polnischen Rabbiner diskret mit der Frage, wer Juden eigentlich sind und was es bedeutet, ein Jude zu sein. Heute besuchen sie regelmaessig die Synagoge, studieren die Tora. Im Film sieht Olga genauso aus, wie die meisten weiblichen Bewhoner von Bnej-Brak, dem orthodox-judischen Vorort von Tel Aviv.

Eine Geschichte darueber, wie man als Hisbollah-Offizier einen Gijur macht, gibt es hier. Der Hauptunterschied dieser Geschichte zur naechsten besteht darin, dass das polnische Ehepaar von ihrer Vergangenheit eingeholt wurde und aufgrund ihrer tatsaechlichen Herkunft mehr oder weniger "keine andere Chance" hatte, obwohl sie auch als saekulaere Juden ohne groesseren aeusseren Wandel weiter leben koennten. Abraham Sinai aus Libanon dagegen hatte sich aus eigenem Entschluss von der menschenfeindlichen und brutalen Antikultur der Islamisten abgewandt.
Die erste Geschichte lehrt jedenfalls, dass man im Rahmen der "Erziehung zur Demokratie" noch vor jeglichen Resozialisierungsbemuehungen im ersten Schritt alle Antisemiten zur intensiven Beschaeftigung mit der eigenen  Familiegeschichte anregen sollte. Denn wenn man als ueberzeugter Judenhasser ploetzlich die Geburtsurkunde seiner juedischen Urgrossmutter vor die Nase gesetzt bekommt, dann wird sich bestimmt irgendetwas aendern.

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