Mittwoch, 6. Oktober 2010

Kriminalitaet in Lod drastisch zugenommen

In Lod, einer Stadt mit "gemischter Bevoelkerung" im Bezirk Zentrum, gab es in den letzten beiden Tagen zwei Morde, und acht Morde im letzten halben Jahr insgesamt. Gestern kurz nach Mitternacht wurde an einem Bahnuebergang eine 27-jaehrige Frau in ihrem Auto erschossen. Am Tag zuvor wurde unmittelbar vor der Stadtverwaltung Lod abends ein Mann, der in seinem geparkten Auto sass erschossen, seine kleine Tochter, die daneben sass,  hatte der Killer zuvor gebeten auszusteigen. Die beiden Morde hatten einiges gemeinsam: sie sind dem "arabischen Sektor" zuzurechnen, die Opfer waren der Polizei aus der Kriminalitaetsstatistik nicht bekannt, beide sassen im Auto und wurden von einem vorbeifahrenden Auto aus erschossen, die Tatorte waren jeweils zentral, in der Regel gut besucht und mit Beobachtungskameras ausgestattet, die Moerder handelten offen und unverhohlen, hier wie dort hat die Polizei bislang keine heisse Spur. Die Tatsache eben, dass die Opfer nicht aus dem "ueblichen" kriminellen Milieu kommen, und es sich nicht um klassische Bandenkriege handelt, wo mehr oder weniger darauf geachtet wird, dass keine Unbeteiligten zu Schaden kommen, macht nicht nur die Ermittlungen so schwierig, sondern beunruhigt vor allem die Stadtbewohner. Vor Wochen wurde ein Clanmitglied von einem anderen konkurrierenden Clan beim Eintritt in die Moschee erschossen, weil er "kein aufrichtiges Leben" fuehre. Die Polizeiberichte aus Lod und Umgebung aehneln in letzter Zeit denen aus dem Sueden Beiruts, wo Parkplatzstreitigkeiten mit M-16 beigelegt werden. 

Weil die oertliche Polizei unfaehig oder unwillig - meistens beides - ist, die Lage in den Griff zu bekommen, hat sich die Regierung auf hoechster Ebene eingeschaltet. Premier Netanjahu bestellte seinen Minister fuer oeffentliche Sicherheit Aharonovitsch ein und forderte ihn auf, unverzueglich Massnahmen zur Wiederherstellung von Ordnung und Sicherheit zu ergreifen. Parallel verliefen Sitzungen im Zentralstab der Polizei zur Lage in Lod. Im Ergebnis wurden Einheiten der Grenzpolizei MAGAV, der Polizeispezialkraefte JASAM und eine Staffel der berittenen Polizei in die Stadt verlegt. Den Innlandsgeheimdienst Schabak hat Netanjahu persoenlich angewiesen, der Polizei bei der Entwaffnung der dortigen arabischen Zivilbevoelkerung behilflich zu sein. Zwischenfaelle mit Schusswaffeneinsatz hat heute Kol Israel auch aus dem Jerusalemer Viertel Gilo und der Westgalil gemeldet.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen