Freitag, 15. Oktober 2010

"Wozu braucht man unsere Partei überhaupt?"

Die israelische Linkspartei "Avoda" rutscht in den Umfragen weiter ab, es herrscht Untergangsstimmung, nach der aktuellsten Umfrage des Fernsehkanals der Knesset würde die Partei nur 6 Mandate bekommen. Die Schuld am desolaten Zustand wird dem Waffenlobbyisten Ehud Barak zugewiesen, der bis zur nächsten Vorstandswahl im Jahr 2012 den Parteivositz innehat. Ohne diese politische Figur verteidigen zu wollen ist jedoch offensichtlich, dass der Untergang der linken Phantasten in Israel nicht konkreten Personen, sondern dem offensichtlichen Bankrott ihrer Ideologie geschuldet ist, der einen grundlegenen gesamtgesellschaftlichen Stimmungswandel bewirkt und den Apologeten der Gleichheit von allen mit allen und von "Land gegen Terror" den Boden entzogen hat. Denn als Parteivorsitzender ist Barak nicht unfähiger, als Netanjahu. Und wenn sich schon für die eigene verfaulete Ware am Wählermarkt kein Käufer mehr findet, dann tut Barak "das Beste draus", indem er Konzerninteressen bedient, sei es das umstrittene F-35-Geschäft, der Raketenschirm "Eiserne Kuppel" und andere "Wunderwaffen", die sich wie immer in der realen Gefechtssituation ineffektiv bis nutzlos erweisen - mögen wir unrecht haben.
Der Avoda-Sozialminister Itzhak Herzog aber ist sich sicher, dass Barak am Zustand des ehemaligen politischen Monopolisten "Avoda" schuld ist. Und weil Barak, aus der Sicht Herzogs, nicht mehr kann, muss eine neue Person an die Spitze, um die Linke aus dem klinischen Tod herauszuholen - und das kann nur er, Herzog. "Ich habe vor, für den Parteivorsitz der Avoda zu kämpfen und ich denke, dass die Zeit dafür reif ist. Viele Kameraden fragen mich, 'Wo gehen wir hin? Wozu braucht man unsere Partei überhaupt?' Unser Haus liegt in Ruinen, es existiert einfach nicht'", informierte Herzog seine Parteifreunde in einer Vorstandssitzung. Und deshalb seien die vorgezogenen Vorstandswahlen unumgänglich. Barak reagierte darauf mit den Worten, dass man in diesen "schwierigen Zeiten zusammenstehen und die Reihen schliessen müsse", anstelle die "Decke jeweils auf sich zu ziehen". Wenn die Ware schlecht ist, wird ein Wechsel des Ladenbesitzers nur bedingt helfen. Das weiss Barak, und das weiss wahrscheinlich auch Herzog.

1 Kommentar:

  1. Seit einigen Jahren beobachte ich bereits eine Umorientierung hin zu national - jüdischen Werten. Insbesondere Versuche Judea und Samaria abzutreten ( ein neues Gaza entstehen zu lassen und unter Mißachtung der Thora, G-ttesland wegzugeben ) löste diesen Prozeß aus.
    Druck aus USA und Europa könnten bei den Israelis das Gegenteil der ausländischen Bestrebungen auslösen. Nicht umsonst, verlangt die Regierung Netanjahu, die Anerkennung Israels, als " Jüdischen Staat ". Dieser Jüdische Staat ist es aber wiederum auch, der Juden in der ganzen Diaspora, zu Loyalität aufruft und diese auch bekommt.
    Ein anderer Weg exestiert schlichtweg nicht, denn die nationale Identität der Israelis ist gewachsen und äußerst fest. Selbst die Säkulären ( wobei Säkulär in Israel etwas völlig anderes ist, als z.B. in Deutschland - wird leider verkannt )bekennen sich zunehmender Maßen zu den jüdischen Werten ihres Staates. Die Armee ( Zahal ) wird zwar durch Barak befehligt, ideologisch ist sie aber schon lange in den Händen relgiöser Militärrabbiner und anderen nationalreligiösen Vertretern.
    Die Parteienvertretung wird sich, nach meiner Meinung und Beobachtung, in kürzester Zeit grundlegend ändern. Linke Parteien werden verschwinden oder zu´mindestens an Einfluß verlieren. Das rechte und religiöse Lager wird sich sondieren, eventuell aufspalten ( ich halte eine Wiederzulassung der Kach in naher Zukunft, für durchaus denkbar ) und neu ordnen.
    Und wir haben all dies auch schon lange gewußt. bereits kurz vor der Wahl Obamas zum US Präsidenten, hatten wir festgestellt, dass wir uns auf einige Jahre ohne USA einstellen müssen. Dass uns nun auch Europa in den Rücken fällt, war abzusehen.
    Einige Dinge sollte sich die " Welt " aber hinter die Ohren schreiben..... :
    Blut ist dicker als Wasser und wir haben einen sehr feinen und verläßlichen Sinn für Gefahr.
    Und....... wir werden uns nie wieder zur Schlachtbank führen lassen.

    Joel

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