Donnerstag, 25. November 2010

Erdogan hilft Libanon - mit Kriegsdrohungen an Israel

Der tuerkische Premierminister Erdogan ist im Libanon zu Besuch. Seine edle Mission besteht darin, die Spannungen im Vorfeld der Veroeffentlichung der Anklage im Hariri-Mord abzubauen und einen neuerlichen Buergerkrieg in diesem Land zu verhindern. Dagegen ist an sich nichts einzuwenden, und an der Stabilitaet im Libanon ist Israel viel mehr interessiert, als die Tuerkei - nur ist sein Rezept zu einfach. Er fordert, ebenso wie Syrien, Hisbollah und der Iran, die Veroeffentlichung der UN-Anklage zu vertagen, am besten aber die Arbeit des internationalen Libanon-Tribunals ganz zu beenden, dessen Ergebnisse, die inzwischen ein offenes Geheimnis sind, seinen Achsenpartnern Syrien, Iran und Hisbollah nicht ins Konzept passen. Und das zweite ultimative Mittel, das immer wirkt und ganz Libanon konsolidieren kann, besteht darin, Hass gegen Israel zu schueren. Dass das Interesse Israels nur darin besteht, das Uebergreifen des libanesischen Konflikts auf Israel zu verhindern und in keinster Weise, den Libanon anzugreifen - vor kurzem hat sich das israelische Sicherheitskabinett fuer den Rueckzug aus Nord-Ghajar entschieden, auch den Angriff vom August auf israelische Reservisten an der Nordgrenze liess Israel nicht zu einem Krieg eskalieren - ist Erdogan recht gleich. Ohne irgendeinen Grund droht der tuerkische Premier zum ersten Mal Israel relativ eindeutig  mit Krieg und scheint dabei die israelische verbale Zurückhaltung mit der Zurückhaltung im Handeln zu verwechseln.
Die Tatsache, dass der amtierende Premier und Sohn des Ermordeten Saad Hariri trotz pflichtmaessigen Hasstiraden Richtung Israel tatsaechlich nur davon traeumt, dass Israel dem uebermaechtigen Geschwuer, dem sein Vater zum Opfer fiel, den Garaus macht, stört Erdogan ebensowenig. Er drohte bei einem seiner Auftritte in Libanon, das die Tuerkei "sich nicht zuruecklehnen [werde], wenn sie [Israel] mit ihren modernen Panzern und Flugzeugen im Libanon einmarschieren um Frauen und Kinder zu ermorden und Schulen und Kindergaerten zu zerstoeren. [...] Wir werden die Gerechtigkeit mit allen uns zur Verfuegung stehenden Mitteln verteidigen", bruellte der Osmane dem begeisterten libanesischen Publikum zu. Damit hat er zu erkennen gegeben, dass er weiss, in welchen Einrichtungen die Hisbollah ihre Waffenlager und Stützpunkte hat. Auch die Kundgebung der libanesischen Armenier, die den Völkermord der Türken vor knapp 100 Jahren nicht vergessen haben, gegen den Besuch des türkischen Premiers hat ihn wenig beeindruckt. Auf seinem Programm stehen Treffen mit den Hisbollah-Vertretern. Gestern tagte das israelische Sicherheitskabenett, um ueber die Lage im Libanon und Strategien zu beraten, wie sich Israel aus dem drohenden innerlibanesischen Gemetzel heraushalten kann.

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