Samstag, 27. November 2010

Hariris Gnadengesuch bei den Ajatollahs

Rahimi, Hariri [AP]
Der libanesische Premierminister Saad Hariri ist zu seinem ersten offiziellen Staatsbesuch im Iran eingetroffen, empfangen wurde er vom ersten stellv. Präsidenten der islamischen Republik Mohammad Reza Rahimi, meldet Reuters. Geplant sind Treffen mit der gesamten Führungsspitze des Iran, einschliesslich Ahmadinedschad und Ajatollah Khamenei. Mit dem Staatsbesuch beim Schirmherrn der libanesischen Hisbollah-Miliz, der der Mord an seinem Vater zur Last gelegt wird, hofft Hariri, die iranische Führung für eine mässigende Rolle im drohenden Konflikt zu gewinnen. Die Ajatollahs und ihr Ahmadinedschad sollen, so schwebt es dem libanesischen PM vor, sein sunnitisches Regime gegen eine drohende Machtübernahme der Hisbollah schützen, indem sie diese an der kurzen Leine halten. Dazu goss Hariri reichlich Balsam auf die Seelen der Ajatollahs:
die bilateralen Beziehungen mit dem Iran auf allen Ebenen müssen gestärkt werden, weil man sich nur so dem "gemeinsamen Feind" [Israel] widersetzen könne. Der iranische Gastgeber entgegnete mit einer ebenso sinnleeren Formel, dass dem Iran die Einheit des Libanon sehr wichtig sei, und man sie mit allen Mitteln verteidigen werde. Dabei muss man aber beachten, dass Hariri und Ahmadinedschad eine grundverschiedene Vorstellung von der "Einheit Libanons" haben. Nach der Abfuhr beim saudischen König, der sich z Z lieber in den USA operieren lässt, der kalten Schulter der Syrer und mit dem analphabetischen US-Präsidenten sieht sich Hariri allein gelassen und bittet den Strippenzieher in Teheran nun persönlich um Gnade.
Die absurde Theatervorführung, die Hariri im Iran präsentiert, hat die arabischen Länder wenig beeindruckt. Störfeuer gab es vor allem aus Ägypten, das seit der Niederlage Abdel Nassers im Krieg gegen Israel den Status des Leitwolfs der "islamischen Nation" nie wieder erlangt hat und nun im Schatten des Iran stehen muss. Der Aussenminister des Landes Aboul Gheit weiss genau, was die Reise Hariris nach Teheran bedeutet, er wandte sich im staatlichen Rundfunk  mit harter Rhetorik an den Iran: "Wir sagen unseren Brüdern im Iran: lasst den Libanon in Ruhe. Wir sagen: lasst den Irak in Ruhe. Wir sagen: Mischt euch auf keinen Fall in die Angelegenheiten Bahrains und generell der Staaten des Golfs ein. [...] Die Sicherheit der Golfstaaten hat oberste Priorität und Ägypten wird maximale Anstrengungen unternehmen, um diese  zu gewährliesten."

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