Montag, 1. November 2010

Streit um Jeschiva-Stipendien

Der Ton im Gezanke um die Jeschiva- und Kolel-Stependien fuer verheiratete Haredim wird rauer. Wie Arutz 7 meldet, schloss sich am Montag der Praesident der Hebraeischen Universitaet Jerusalem  Prof. Menachem Ben Sasson den Studentenprotesten gegen die Sonderfoerderung orthodoxer Studenten an, auch in den Universitaeten Beer Scheva und Bar Ilan gab es Protestaktionen. Wie berichtet, sind die Stipendienerhoehungen Teil des in der ersten Lesung verabschiedeten Zweijahreshaushaltes, der jedoch gegenwaertig im Finanzausschuss der Knesset stecken bleibt. Hinzu kommt eine Verfassungsklage der Kadima-Fraktion beim BAGAZ gegen die Neueinfuehrung des Zweijahreshaushalts als solchen, weil diese Form des Haushaltes die Kontrollfunktion der Knesset ueber die Staatsausgaben aushoehle und mittelfristige Anpassungen verhindere.
In Reaktion auf die Proteste erklaerte  MK Mosche Gafni [Vereinigtes Torajudentum] an die Adresse von Ben Sasson: "Eher er gegen Stipendien fuer Jeschiva-Studenten protestiert, sollte er sein eigenes beachtliches Gehalt [42.000 Schekel / Monat bei einem Durchschnittslohn von 8.500 Schekel] reduzieren, ebenso, wie das der anderen Professoren."
Der Streit ist nicht neu, ebenso wie die strukturelle Kluft zwischen den Haredim und dem nationalreligioesen und saekulaeren Rest der Gesellschaft, die bei solchen Auseinandersetzungen an die Oberflaeche kommt. So muss das Gehalt eines Uni-Rektors nicht dem Durchschnittslohn gegenuebergestellt werden, weil es kein Durchschnittsjob ist. Andererseits handelt es sich bei den anvisierten Jeschiva-Stipendien um Summen zwischen 800 und 1200 Schekel, was das eigene anderweitige Bemuehen, den Lebensunterhalt aus eigener Kraft zu bestreiten nicht ersetzen wird. Die Frage, warum die Uni-Studenten auch diese 800 Schekel nicht bekommen sollen, bleibt aber gerechtfertigt und ungeloest, wie die gesamte Schieflage.
Am kommenden Donnerstag soll in Bnei Brak, der mehrheitlich von Haredim bewohnten tel aviver Vorstadt, ein Protestmarsch gegen die Stipendienerhoehungen stattfinden, an dem sich neben linksextremen Gruppen laut Arutz 7 auch die zionistische Jugendorganisation "Im Tirtzu" beteiligen will.  Der Vorsitzende der nationalem israelischen Studentenvereinigung  Itzik Schmueli hat wiederum die zuvor angekuendigte Beteiligung der Organisation am Protestmarsch abgesagt. Mehrere Studentenfuehrer haben in zahlreichen Briefen an Schmueli erklaert, dass sie gegen die Regierungsentscheidung protestieren, und nicht gegen die orthodoxe Bevoelkerung, so dass die Premierministerkanzlei oder das Finanzministerium die geeigneten Demonstrationsorte seien, und nicht die Strassen von Bnei Brak. Der Protest ist, wenn ueberhaupt, gegen die Leistungsgeber und nicht Leistungsempfaenger sinnvoll, zumal dies Gewalt provozieren koenne.

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