Mittwoch, 15. Dezember 2010

Knesset verprellt Verbündete aus Europa [mit Nachtrag]

Wir berichteten über den Freundschaftsbesuch einer Gruppe von europäischen Parlamenteriern in Israel, der auch Führungen und Empfänge in Juda-Samaria umfasste. Eine der Stationen des Besuchs war die Knesset. Die israelische Volksvertretung hat es geschafft, die Gäste, die gekommen waren, um ihre Solidarität mit Israel zu bekunden, und seine territoriale Integrität zu unterstützen, zu verprellen. Wie sich die Knesset verhalten hatte, war entweder ein krasses Missmanagement, das an Idiotie grenzt, oder, noch schlimmer, ein Rezidiv der politischen Korrektheit zur unrechten Zeit.
Es fing an, als die Gäste noch zuhause waren, berichtet Arutz 7. Der Initiator des Besuchs und frühere Knessetabgeordnete Eliezer Cohen hatte sich im Vorfeld an das Präsidium der Knesset mit dem Antrag gewandt, den Besuch unter der Egide der Knesset laufen zu lassen und den Parlamentariern einen offiziellen Empfang zu gewähren. Das Präsidium hatte abgesagt, die Delegierten waren als Privatleute auf eigene Kosten nach Israel gereist und wurden zeitweise in einem College-Wohnheim in Aschkelon untergebracht. Während des Besuchs in der Knesset nahmen die Delegierten in der Besuchergalärie des Plenarsaals Platz, der Vorsitzende der Plenarsitzung war ausgerechnet der arabische MK Ahmad Tibi, der die Gäste weder begrüsst, noch sonst irgendwie erwähnt hatte. Den Ablauf des Besuchs kommentierte Cohen mit den Worten: 

"Die Knesset, einschliesslich der Parteien des nationalen Lagers, haben Angst vor dem eigenen Schatten und sind sich der Notwendigkeit nicht bewusst, engere Beziehungen mit ihren Verbündeten in Europa zu knüpfen. Ich denke, dass die Knesset deshalb der Delegation die Ehre verweigert hatte, weil sie zum Teil aus Vertretern der Parteien bestand, die die israelischen Medien, den europäischen folgend, mit den Begriffen "rassistisch" und "antisemitisch" belegt haben [die österreichische FPÖ, die italienische Liga Nord, Die Freiheit]. Ich habe mit meinen eigenen Ohren gehört, wie jemand von den Knesset-Angestellten den deutschen Abgeordneten als "Nazi" bezeichnete. Es ist längst an der Zeit, sich von den Stereotypen loszulösen und zu verstehen: diese europäischen Parlamentarier betrachten Israel als die forderste Front im Krieg gegen die islamische Expansion und den Terror und sind Freunde Israels." Die Knessetbesichtigung hätte auch in einer endgültigen Blamage geendet, hätte MK Nissim Zeev [Schas] die Abgeordneten nicht in den Sitzungssaal der Schas eingeladen und sich mit ihnen über die aktuellen Themen der Tagespolitik in Europa und Israel unterhalten.
Es gibt in Israel wie in Europa Stimmen, die an der Aufrichtigkeit dieser "neuen Rechten" zweifeln und einen rein instrumentellen Zugang zu Israel unterstellen., ohne eine tiefer gehende emotionale Beziehung. Sie weisen darauf hin, dass die Repräsentanten einem Spektrum angehören, dessen weitere Teile immer noch vom tief verwurzelten Antisemitismus geprägt sind, auch in ihren eigenen Parteien. Diese Einschätzung ist nicht unberechtigt und man sollte nüchtern und ohne  Euphorie an diese neue Partnerschaft herangehen. Israel kann es sich aber nicht leisten, die recht überschauberen Verbündeten vor den Kopf zu stossen, und kann sich seine Verbündeten nicht nach Belieben selbst konstruieren, sondern muss pragmatisch diejenigen akzeptieren, die im gegebenen historischen Zusammenhang da sind. Und wenn es sich bei der Zusammenarbeit der israelischen und europäischen Rechten um die reine Zweckpartnerschaft angesichts der globalen Bedrohung der Zivilisation durch den Islam handelt, dann ist aber auch das bereits mehr als nichts. Wer in der Politik, zumal der internationalen, mehr als das sucht, wird nicht fündig.

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