Freitag, 17. Dezember 2010

Barak verwehrt Ross Zugang zu Israels Generälen

Vor drei Tagen war   Verteidigungsminister Barak aus Washington zurückgekehrt, wo er sich mit den US-Offiziellen Robert Gates, Leon Panetta, Dennis Ross und Joe Biden unterhalten hatte. U. a. informierte er sie darüber, dass die Akkumulation des syrischen und iranischen Kriegsgeräts in den Händen der Hisbollah die Grenze des für Israels Sicherheit Zumutbaren überschritten hat. Öffentlich sprach Barak von der "Besorgnis Israels über die andauernde Bewaffnung der Hisbollah durch Syrien und Iran".
Jerusalem ist wütend über die Tatsache, dass der US-Präsident die Federführung bei den Gesprächen mit dem Iran an die EU abgegeben und die EU-Aussenbeauftragte Ashton die jüngsten Atomverhandlungen der Sechser-Gruppe mit dem Iran hat leiten lassen. Dieses Treffen hatte ein einziges "Ergebnis" - die Übereinkunft, sich zum nächsten Mal in Istanbul zu treffen. Die Selbstabdankung der USA in der Iran-Frage und deren Weiterleitung an die EU hält Israel für eine bewusste Verzögerungstaktik.
Mit grosser Besorgnis hat man in Israel ferner den Abzug der USS Truman aus dem Persischen Golf zurück unter das Kommando der Fünften [Mittelmeer-] Flotte zur Kenntnis nehmen müssen - ein deutliches Zeichen der Hussein-Administration an Jerusalem wie Teheran über die Abkehr von der Strategie einer glaubhaften militärischen Drohkulisse. Mit der USS Lincoln bleibt nur ein Flugzeugträger der US-Navy vor der iranischen Küste.
Debka's Quellen zufolge hat man in Washington den Eindruck bekommen, dass Israel mit der Passivität der Hussein-Admnistration in Bezug auf den Iran und seine Satelliten langsam die Geduld verliere. Am 15. Dezember war deshalb Husseins Nahost-Berater Denis Ross in Israel eingetroffen. Sein Reisezweck war nicht ein Gespräch mit Barak, den er vor drei Tagen in Washington getroffen hatte, sondern separate Gespräche mit den obersten Zahal- und Geheimdienstoffizieren, darunter mit dem scheidenden Zahal-Oberbefehlshaber Aschkenasi, seinem Nachfolger Galant, dem Leiter des Militärgeheimdienstes Aviv Cochavi. Viele Jahre war es gängige Praxis zwischen Israel und den USA gewesen, dass hochrangige US-Offizielle direkten Zugang zu den obersten israelischen Offizieren hatten, vorbei an den politisch Verantwortlichen, dem Premierminister und dem Verteidigungsminister, und ohne ihre Anwesenheit - ein Zeichen des besonderen Vertrauensverhältnisses aber auch ein Instrument, das die US-Regierung in den vergangenen zwei Jahren intensiv genutzt hatte, um direkt auf die entscheidende Schaltstelle, die israelische Generalität, Einfluss zu nehmen und Überzeugungsarbeit über die "Überflüssigkeit des militärischen Vorgehens gegen den Iran" zu leisten. 
Am 16. Dezember hatte Ross wieder ein solches Treffen an Barak und Netanjahu vorbei beantragt, doch anstelle dessen hatte Barak Ross zu einem Briefing mit den Generälen im grösseren Kreis eingeladen. Zum ersten Mal in den vergangenen zwei Jahren wurde einem US-Vertreter ein direkter Zugang zur Zahal-Leitung verwehrt. [Foto: Barak empfängt Ross]

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