Dienstag, 7. Dezember 2010

Was ist Frits Bolkestein?

Frits Bolkestein
Juden in Europa allgemein und in Deutschland im Besonderen sollten sich den folgenden Satz gut merken. "Orthodoxe Juden haben in den Niederlanden keine Zukunft", deshalb sei es besser, sie wuerden in die USA oder nach Israel gehen - dieser Ratschlag kommt vom früheren EU-Kommissar für Binnenmarkt, Steuern und Zollunion, Frits Bolkestein, der der regierenden VVD angehoert. Er sagte das im Rahmen der Besprechung des demnaechst erscheinenden Buches von Manfred Gerstenfeld "Het Verval" [der Verfall]. In diesem Satz ist mehr drin, als einem lieber waere. Aber versuchen wir es mal sehr grob Punkt fuer Punkt abzuhaken. 
Erstens: Herr Bolkestein meint alle Juden, "Orthodox" ist ein Weichmacher: einen Juden, der sich in ein marokkanisches Migrantenviertel begibt und als solcher identifiziert wird, erwartet das gleiche Schicksal unabhaengig davon, ob er fromm oder ein linker Chaot ist. Ein Todesurteil ist es, wenn er obendrein in hollaendischer Polzeiuniform daherkommt.
Zweitens: Die Niederlande galten immer als eines der juden- und israelfreundlichsten Laender Europas, mit einer grossen alten juedischen Gemeinde. Sie waren in den 80ern und 90ern ein Vorzeigemodell des Multikulturalismus, als der Begriff noch neu und attraktiv war, der heute ein Synonym fuer die Katastrophe der europaeischen Voelker ist. Dass der verbale Rauswurf der Juden ausgerechnet aus den Niederlanden kommt, hat einen hohen symbolischen Wert.
Drittens: Diese Empfehlung kommt aus der Mitte der Gesellschaft, die VVD ist weder ein Skinheadverein noch ein Islamistenverein, sondern eine klassische liberal-konservative Partei.
Viertens und leztens: der Aufruf zum Verlassen des Landes hat seine Motivation nicht im Antisemitismus, jedenfalls nicht primaer, sondern in der Sorge, dass der niederlaendische Staat seinen Juden in naher Zukunft keinen ausreichenden Schutz vor antisemitischen Uebergriffen der Islamisten und ihrer Mitlaeufer mehr gewaehren kann. Dazu trug Bolkestein die gewoehnlichen statistischen Daten zum Anstieg antisemitischer Straftaten in den Niederlanden vor. Es ist eine offizielle Kapitulation des demokratischen Verfassungsstaats gegenüber dem Islam.
Herrn Bolkestein fuer einen Antisemiten zu erklaeren, waere etwas ungenau. Die juedische Wochenzeitung der Niederlande "Nieuw Israelietisch Weekblad" nennt Bolkestein einen "Freund Israels und der juedischen Gemeinde Hollands", der sich lediglich Sorgen um hollaendische Juden mache. Das riecht nach Heuchelei. Herrn Bolkestein fuer einen Freund der Juden zu halten waere aber auch falsch, denn Freunde wollen einen nicht 'rausschmeissen. Was ist dann Herr Bolkestein? 
Herr Bolkestein ist weder ein Feind der Juden noch ein Freund der Juden - ihm sind die Juden wurst. Herr Bolkestein ist etwas viel schlimmeres - ein Musterbeispiel eines eurabischen Dhimmis, der das Problem des Islam in seinem Land mit der Loesung der Judenfrage loesen will: wenn die Juden weg sind, dann sind die Moslems zufriedener und die Holländer sicherer. Aber im Gegensatz zu anderen Dhimmis ist er zumindest konsequent und ehrlich. Man darf nicht aus den Augen verlieren: vor mehr als hundert Jahren hatte Theodor Herzl, der geistige Gruendervater des modernen Israel, mit seinem Programm der Wiedergruendung Israels den prinzipiell gleichen Ansatz. Es gibt jedoch zwei Unterschiede zwischen damals und heute: damals wollte Herzl Juden vor zunehmend gewalttaetigem Antisemitismus seitens der europaeischen Voelker in Sicherheit bringen, und den Antisemiten den Wind aus den Segeln nehmen - und Juden hatten keinen Staat. Heute haben Juden, Gott sei dank, wieder ihren Staat, der sie auch aufnehmen wird, sollen sie irgendwo in der Welt in Bedraengnis kommen - nur haben diesmal die europaeischen Voelker keinen anderen Ort, an den sie vor islamischer Expansion fliehen koennten. Und deshalb ist der Ratschlag von Herrn Bolkestein, selbst wenn er bewusst provoziert, aus hollaendischer Sicht, ein Bärendienst, weil er nicht sieht, dass sein Ansatz den Niederlanden nicht helfen wird, und weil er nicht darueber nachgedacht hat, wohin eigentlich die Hollaender fliehen sollen, nachdem alle Juden geflohen sind. Der gute Geert Wilders reagierte darauf mit der Replik: "Nicht Juden muessen das Land verlassen, sondern die marokkanischen Antisemiten." 
Nur im Endergebnis stimmen wir mit Herrn Bolkestein ueberein, denn auch wir sagten hier mehrmals, dass Juden in Deutschland und Europa aufgrund der geschilderten Tendenzen leider keine Zukunft haben. Das ist aber im Jahr 2010, im Gegensatz  zum Jahr 1933, eine Katastrophe fuer Europa, und weniger fuer die Juden.

1 Kommentar:

  1. hallo Leute, ich hoffe ja noch, daß Bolkestein seinen "Vorschlag" als provozierende WARNUNG vorgebracht hat.
    Im WDR wurde diese sofort hetzerisch i Sinne der Antisemiten aufgegriffen, woraufhin ich folgenden Protest schrieb.- Tut es mir gleich !

    Betr.: Ihre agitatorische Endmoderation der Sendung POLITIKUM vom 7.12.1010

    Liane von WDR-5 Billerbeck !

    Ich protestiere gegen Ihre, nicht seltenen, wie eben in der Abmoderation betriebene HETZE alle Islamkritiker.
    Sie forderten dreisterweise das HERAUSSCHMEISSEN von Ex-EU-Kommissar und ehem. regierungsparteil. Vorsitzenden Frits Bolkestein so wie Geert WILDERS aus den Niederlanden.
    Dadurch suggerierten Sie, dass die beiden ein "Herausschmeißen" von Juden oder Islam-Marrokanern gefordert hätte. - Nebenbei demonstrieren Sie damit ihren deutsch-chauvinisten Standpunkt unter der Fahne angebl. überlegener Deusch(multi)kultur.

    Anlässlich der in den Worten Bolkesteins berechtig hervortretenden Sorge für die Juden in den NL bzw. auch bei Wilders gegen den massiven und von Ihnen fast durchweg verleugneten islamischen Antisemitismus - so auch bei uns - muten Ihre Äußerung mehr als zynische Realitätsverleugnung an als MISSBRAUCH des öffentl-rechtl. Rundfunks für Ihre und anderer politischen Klientel, Geschäfte und anti-aufkläreische Hetze; sehr zum Schaden der auch der in den NL gern gesehenen freiheitsliebend-demokatiefähigen Moslems bzw. vieler anderer ehem. Ausländer.

    Aber dies, wie die Rechte alteingesessener Inländer, sind anscheinend nicht Ihre Kientel, wie Sie oder Kollegen es obssisv und wochenlang ebenfalls bei der Desinformation und Stimmungmache in der SARRAZINophobie gegen das Kritikbuch geleistet haben:
    Ihre dabei ständig betriebene Vermischung und Vertauschung des ( Kunst-)Begriffs (Im-)"Migranten" mit dem von den türkischen und arabischen Einwanderern und der ihrer Nachkommen bzw. ihrer Kultur, - dies widerum vertauschend oder verdeckend mit der Islamdoktrin, -Macht und blutigen Geschichte und erstrecht den ( re-)islamisierenden verfassungsfeindlichen Organisationen und der durch diese betriebenen Bedrängung, Bedrohung und Doktrinierung der sie Umgebenden, ist im übelsten Sinne demagogisch. Und gehört in der Kette ihrer und Ihrer andauernden Anwendung offenbar zu einer repressiven Technik und Absicht, und erzeugt dadurch erstrecht politische Verwirrung und Wut. - So wie es sich auch mit dem Missbrauch des Begriffes RASSISMUS, dabei in der ideologischen Bestärkung von LinksExtremisten und Djihadisten und in den damit häufig vorgebrachten Kombinationen über den WDR-5 an der Aufwiegelung gegen ISRAEL zeigt.

    - Wozu, wessen Befriedigung ?! Mit Antirassimus hat das nichts zu tun.
    STOPPEN Sie diesen Höllentrip, sonst werden es andere eines Tages tun.

    Mit Tiefverachtung!
    dubax@ich.ms

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