Mittwoch, 8. Dezember 2010

Wie Bibi es nicht geschafft hat, Israel zu erniedrigen

In den letzten zwei Tagen gab es in verschiedenen Medien Berichte darüber, dass Netanjahu bereit sei, alle türkischen Forderungen für die Beilegung der Krise nach dem Zwischenfall Mava Marmara zu erfüllen [Entschuldigung und Entschädigungszahlungen für die aus Notwehr getöteten Jihadisten], um eine Normalisierung der Beziehungen mit der gegenwärtigen türkischen Regierung zu erreichen. Wir haben darüber nicht geschrieben, weil wir daran nicht geglaubt haben, dass eine solche Einigung möglich ist, und, wie es jetzt aussieht, zurecht. Wie der erste Fernsehkanal soeben gemeldet hat, sind die Verhandlungen der Dimplomaten beider Länder zur Erarbeitung eines Communiqués zur Beilegung des Streits gescheitert, zumindest vorerst. Der Vorsitzende der Regierungskoalition Zeev Elkin [Likud] sagte dazu, dass die Türkei ein wichtiges Land in der Region sei und Israel an einer Normalisierung der Beziehungen mit der Türkei interessiert sei - doch nicht um den Preis, dass Israel Terroraktionen und Provokationen gegen sich selbst rechtfertige. Wenn Ankara die Beziehungen wiederherstellen will, müsse es vom hohen Ross runterkommen und mitwirken, anstelle Utimaten und Forderungen zu stellen. 
Die Tatsache, dass die Türkei zwei Hubschrauber zur Löschung des verheerenden Waldbrandes auf Karmel entsandt hatte, sollte ein Tauwetter im Kalten Krieg mit der Türkei einleiten. So hat es sich jedenfalls Netanjahu vorgestellt. Die seit langer Zeit ersten israelisch-türkischen Kontakte fanden auf Initiative Israels hin statt. Der Deal war gestern in Netanjahus eigenem Kabinett scharf kritisiert worden, darunter von Aussenminister Lieberman und dem Entwicklungsminister und Vize-Premier Silvan Schalom. Die Familien der dem Lynchmord entgangenen und verletzten Marinesoldaten fragten Netanjahu in einem offenen Brief, ob er nicht "verrückt geworden" sei.
Die Frage ist berechtigt. Was hat die Hilfe der Türkei bei der Brandlöschung, für die der Türkei ein grosser Dank gebührt, wie allen anderen Ländern, die mitgeholfen haben, mit dem Angriff der türkischen Jihadisten auf israelische Soldaten an Bord von Mava Marmara samt Konsequenzen vor einem halben Jahr zu tun? Das sind doch zwei verschiedene Dimensionen. Noch während des Brandes hatte Erdogan Netanjahu das unmissverständlich mitgeteilt, doch letzterer hat es erst heute kapiert. Und selbst wenn irgendein Stück Papier mit einer schwammigen Formulierung dabei herausgekommen wäre, und Israel an die Jihadisten gezahlt hätte - wie dumm muss man sein, um zu glauben, dass dies dann das Verhältnis der türkischen Regierung zu Israel und die Ausrichtung der türkischen Aussenpolitik verändert hätte? Geschweige denn, wie verprellt diejenigen wären, die Israel dabei beigestanden hatten.
Der wirbelsäulenlose Netanjahu wollte Israel erniedrigen und ist dabei gescheitert, und das ist auch gut so. Israelische Hilfsmannschaften waren immer bei den Erdbeben in der Türkei immer unter den ersten, oft die ersten, warum muss sich Israel jetzt schlecht vorkommen, und sich an der Verbesserung der Beziehungen zu Ankara mehr interessiert zeigen, als die Türkei? Wer ist in der Region eigentlich mehr isoliert? Spätere Tatsachen können frühere Tatsachen nicht verändern und nicht verdrehen. Und wer sich bei wem für Mava Marmara entschuldigen muss, hatten wir damals mehr als deutlich geschrieben.

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