Dienstag, 4. Januar 2011

Ahmadinedschad-Daemmerung

Die Wolken ueber dem iranischen Praesidenten werden immer dichter. Bei den Oppositionsprotesten 2009 hatte es nur aeusserlich eng fuer Ahmadinedschad ausgesehen - das Machtgefuege war in sich homogen, weitgehend frei von inneren Widersruechen, seine Schluesselelemente gingen geschlossen und abgestimmt gegen die Opposition vor, hinter der der satanische Westen stehe. Gegenwaertig ist es viel ruhiger im Iran, doch die  Machtstellung Ahmadinedschads ist noch nie so schwach, das Regime nie so labil und vielfach gespalten gewesen, wie jetzt. Vorzuweisen hat Ahmadinedschad nichts, und viel zu viele Tatsachen und Prozesse sind gegen ihn gerichtet. Er hat jetzt ein groesseres Problem: das Parlament [Mejlis] und sein Schutzpatron Ajatollah Khamenei verweigern ihm die unumschraenkte Unterstuetzung, viele Generaele des "Korps der Revolutionswaechter", seiner letzten loyalen Machtstuetzte, "sitzen auf dem Zaun", viele halten sein kompromissloses und selbstzerstoererisches Streben nach der Bombe fuer nicht mehr vertretbar.

In der Bevoelkerung gaert es, man laesst sich nicht mehr so gern mit Hasstiraden gegen den Westen, Israel und die arabischen "Kollaborationsregime" fuettern, wenn die eigentlichen Nahrungsmittel immer teuerer werden und man an der Tankstelle jedes Mal in eine Schockstarre faellt, wenn man die Benzinpreise sieht. Das Kern-Anliegen des Regimes erfaehrt in letzter Zeit mehr Rueckschlaege als Fortschritte [Stuxnet, Pannen, Explosionen, Lieferengpaesse]. Im Sommer 2009 sah Israels Verteidigungsminister Barak maximal 18 Monate als Zeitfenster fuer einen vertretbaren Praeventivschlag gegen die Atomanlagen - die waeren nun um, aber der "Minister fuer strategische Angelegenehiten" Mosche "Bugi" Ayalon sieht die iranische Bombe nun erst in drei Jahren [ob man das fuer eine bare Muenze nehmen darf, steht auf einem anderen Blatt]. 
Am 2. Januar hatte Ahmadinedschad 14 engere Berater entlassen, offenbar um dem Vorwurf der Vetternwirtschaft zuvorzukommen, sie beklagten sich in iranischen Medien, alle gleichzeitig und unerwartet Entlassungsschreiben bekommen zu haben, in denen ihnen fuer ihre Dienste gedankt werde, aber nichts ueber die Gruende stehe. Frueher hatte sein ehem. Aussenminister Mottaki erfahren, dass er keiner mehr ist, waehrend er bei seinem Staatsbesuch in Senegal die Haende schuettelte. Selbst die getreuen Ajatollahs bezeichneten diese Aktion als beleidigend und "unislamisch". Vor zwei Tagen musste seine Kanzlei einen WikiLeaks-Bericht dementieren, dem zufolge er von einem hochrangigen Korps-General in einer geschlossenen Sitzung geohrfeigt wurde. Der "grosse Fuehrer" Khamenei erwaehnt ihn nicht mehr nammentlich und lobt nicht seine Errungenschaften und Verdienste um das Land, wie es sich gehoert. Seine unsanktionierten Zugriffe auf die Waehrungsreserven machen das Parlament, und besonders den maechtigen Parlamentpraesidenten Ali Larijani wuetend - die Subventionskuerzungen fuer die Grundgueter die Bevoelkerung.
Debka berichtet, dass sein Schwiegersohn, Leiter seiner Kanzlei und engster Vertrauter Rahim Esfandiar Mashaee, der am 3. Januar in den Libanon haette fliegen sollen, um dort beim Praesidenten Michel Suleiman fuer die Aufloesung des Hariri-Tribunals zu werben, erstmal nirgendwohin fliegt und an seiner Seite bleibt. 
Der Sorge um die Haut seiner Hisbollah-Schergen in Libanon muss er jetzt die Sorge um sein eigenes politisches Ueberleben vorziehen. Nur einen Fehler sollte man nicht machen: zu glauben, dass das Regime Ahmadinedschad auf seiner Finischgeraden weniger gefaehrlich geworden ist. Vor wenigen Tagen ist eine iranische Delegation nach Nordkorea gereist, um dort einen bilateralen Nukleartest vorzubereiten [Arutz 7, Debka]. Wenn Pakistan zwei seiner Bomben an die Saudis "gemietet" hat - warum soll der Iran das selbe bei einem seelenverwandten Regime in Nordkorea nicht versuchen?

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