Montag, 31. Januar 2011

Wird es Suleiman?

Omar Suleiman
Ägypten steht ein weiterer stürmischer Abend bevor, nachdem  sich die Menge durch die offizielle Vereidigung der neuen Regierung durch Präsident Mubarak nicht beruhigen liess. Während bei der Mehrzahl von Ministerien die Vertrauten Mubaraks gegen die anderen Vertrauten Mubaraks ausgetauscht wurden, kam der trotzige Pharao den Gegnern in einem entscheidenden Punkt entgegen: er entliess seinen Innenminister Habib al-Adli, dem die Protestler ein übertrieben hartes Vorgehen der Polizei vorwerfen. Der Verteidigungsminister der letzten 22 Jahre Hussein Tantaui wurde ebenfalls entlassen und durch Sami Anan ersetzt, meldet ynet. Auf dem Tahrir-Platz werden heute geschätzte 250. Tsd Mubarak-Gegner erwartet.
Wie die New York Post meldet, sollen zwei wichtige Stützen Mubaraks, Vize-Präsident Suleiman und eben Feldmarschal Tantaui Mubarak zum Rücktritt gedrängt und ihm einen würdevollen Abgang zugesichert haben. Das Amt würde verfassungsgemäss Suleiman übernehmen. Dies wäre die sog. suboptimale, durchaus vertretbare Variante: die Demonstranten sind so stark auf die Figur Mubarak fokussiert, dass sein Rücktritt den Protesten ihre Dynamik nehmen würde. Auch die Vererbung der Präsidentschaft an den Sohn Gamal wäre dann nicht mehr denkbar, und das Hauptziel der "Revolution" - die Beendigung der Ära Mubarak - wäre damit erreicht. Vor allem bedeutet Suleiman, der automatisch das Präsidentenamt übernehmen würde, aber Kontinuität und Verlässlichkeit in der ägyptischen Aussenpolitik und die Wahrung der Verträge. Angeblich unterstützt auch Washington mittlerweile die Kandidatur Suleimans. Das Abgleiten Ägyptens in die islamistische Gewaltherrschaft mit verheerenden Folgen für die gesamte Region wäre damit erheblich hinausgeschoben.

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