Mittwoch, 26. Januar 2011

Massenrevolten in Aegypten: wie wahrscheinlich ist das tunesische Szenario?

"Opposition" in Aegypten
Die Massenproteste in Aegypten dauerten bis in die fruehen Morgenstunden an, konzentriert auf die Staedte Kairo, Alexandria, Suez u. a., meldet Kol Israel. Geschaetzte 40 bis 50 Tsd Menschen waren beteiligt. Die Menge fordert die Aufloesung des Parlaments, vorzeitige Neuwahlen, den Ruecktritt von Praesident Mubarak und die Aufhebung des vor 10 Jahren verhaengten allgemeinen Ausnahmezustandes, der keine Demonstrationen erlaubt.
Der greise Praesident ist sich der Notwendigkeit bewusst, der Menge die Gelegenheit zu bieten, Dampf abzulassen, deshalb wurden die Sicherheitskraefte angewiesen, keine Schusswaffen anzuwenden. Die Polizei liess es vorerst bei Schlagstoecken, Traenengas und Gummigeschossen bewenden. Trotzdem wurden in der Stadt Suez zwei Demonstranten getoetet, ein Polizist kam ums leben. Anderen Quellen zufolge gab es mehr Tote, mindestens 600 Demonstranten wurden festgenommen. Das aegyptische Twitter-Netz, einer der Kommunikationskanaele der Aktivisten, ist blockiert worden.

Der arabischen Nachrichtenwebsite Akhbar al-Arab zufolge soll der Sohn von Paesident Mubarak, der auch als potentieller Nachfolger des amtierenden Praesidenten angesehen wird, Dschamal Mubarak mit seiner Familie aus Kairo gefluechtet sein, am gestrigen Abend soll sein Privatflugzeug Richtung London abgeflogen sein. Es gibt keine anderen Quellen, die dies bestaetigen. Dschamal Mubarak als "Thronfolger" ist das rote Tuch in den Augen der Opposition, die darin nur eine Fortsetzung des Regimes sieht, das auch noch zur Erbmonarchie werde.
Trotz der Strukturgleichheit der Regime Ben Ali und Mubarak gehen die Kommentatoren der israelischen Tageszeitungen Yediot Ahronoth und Israel Ha'Jom nicht davon aus, das sich in Aegypten das tunesische Szenario wiederholen koennte. Praesident Mubarak, seit 30 Jahren an der Macht, denkt nicht daran, Kairo zu verlassen, das Staatsapparat, die Sicherheitsdienste und die Armee sind stark, loyal und gut versorgt. Smadar Peri von Yedioth meint, dass ca. 6 Mio. Staatsbedienstete, Armeeangehoerige und Grossunternehmer einen soliden Rettungsring um das Regime bilden, denn sie wissen, dass sie nach einer islamistischen Revolution alles verlieren wuerden, was sie haben. Andererseits hatte niemand einen Regimesturz in Tunesien, einem "Wohlstandsland" im Vergleich zu Aygypten, mit einem seit 23 Jahren herrschenden Regime, dass alles unter Kontrolle hatte, voraussagen koennen. Das obige Foto zeigt auch, welche Perspektiven die Revolten im bevoelkerungsreichsten arabischen Land mit sich bringen wuerden, sollten die Optimisten sich verschaetzt haben.

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