Montag, 3. Januar 2011

Medwedew sagt Israel-Besuch ab

Eigentlich sollte diese Meldung in die Rubrik Panoptikum gehoeren, aber sie ist viel zu traurig dafuer. Der Vorsitzende des Betriebsrates des israelischen Aussenministeriums Hanan Goder hat die Oeffentlichkeit wissen lassen, dass der fuer den 17. Januar geplante Besuch des russischen Praesidenten Medwedew abgesagt ist. Die Absage komme von der russischen Seite, die gemerkt habe, dass der Besuch nicht vorbereitet werde und unter diesen Umstaenden nicht durchfuehrbar sei. Der Grund ist der Streik der Angestellten des israelischen Aussenamtes, die den Staatsbesuch Medwedews und seiner Delegation aus rund 400 Personen - Ministern, Parlamentariern, Journalisten, Geschaeftsleuten - organisieren sollen. Als Grund fuer den Streik fuehrt der Betriebsrat schlechte Arbeitsbedingungen, soziale Konditionen und niedrige Loehne, genauer, eine viel zu kleine Lohnerhoehung um wenige Prozentpunkte, an. "Die Gehaelter sind einfach erniedrigend. Unsere Mitarbeiter kommen nicht ueber die runden! Der Staat Israel behandelt seine Diplomaten wie Pizza-Zusteller. Menschen mit akademischer Bildung, mit Fremdsprachenkenntnissen, die Israel im Ausland vertreten, bekommen einen laecherlichen Lohn. 12% unserer Mitarbeiter befinden sich unterhalb der Armutsgrenze", so der Sprecher der streikenden Diplomaten. Wer sich so aeussert, ist ein Idiot. Die konkreten Gehaltshoehen, die fuer die intellektuell ueberbelasteten Diplomaten erniedrigend sein sollen, erwaehnte er nicht. Selbst wenn der Staat Israel diesen aroganten Pack bislang besser behandelte, "als Pizza-Zusteller", dann muss sich das schnell aendern. Der Hauptschuldige sei der Finanzminister Steinitz, der im langen Arbeitskonflikt unnachgiebig gewesen sei und die "Diplomaten" nur vertroestete. Die Proletarier des Aussenministeriums haben gedroht, auf die Strasse zu gehen und die Fahrtwege der Fahrzeugkolonnen der russischen Delegation zu blockieren, sollte der Besuch an ihren wichtigen Personen vorbei dennoch organisiert werden.

Die Meldung ueber die Absage wurde mittlerweile von der Premierministerkanzlei, dem Praesidealamt und dem oeffentlich-rechtlichen Rundfunk Kol Israel bestaetigt. Netanjahu hat erklaert, dass die Absage den "israelischen Interessen schade" - eine recht zurueckhaltende Bewertung dieses bisher einmaligen Vorgangs in der israelischen Geschichte. Es fehlt zur Stunde nur die formelle Erklaerung der russischen Seite sowie die Antwort auf die Frage, ob die Visite "auf unbestimmte Zeit verschoben", oder ganz abgesagt ist. Der Betriebsrat "versicherte" dass die Massnahme nicht nur Medwedew betreffe - so werde man den Staatsbesuch Netanjahus in Aegypten drei Tage nach dem - nun abgesagten - Medwedew-Besuch nicht vorbereiten, die Ausstellung von diplomatischen Paessen aussetzen, die Besuche anderer hochrangiger Staats- und Regierungschefs sabotieren.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen