Montag, 31. Januar 2011

Moslembruder El Baradei

Irans Parlamentssprecher Ali Larijani [r.]


Mohamed El Baradei hatte sich gestern auf dem zentralen Tahrir-Platz in Kairo vor die Menge gestellt und erklärt, dass das Regime am Ende und die Alternative er sei, die Moslembrüder hatten ihm zuvor ihre Unterstützung zugesichert. Wir wollen zwei Paradoxien der Unruhen in Ägypten herausstreichen. Erstens: El Baradei spielt mit den antisemitischen und antiamerikanischen Stimmungen und wirft den USA Doppelzüngigkeit vor: sie forderten überall Demokratie und Menschenrechte, stellen sich aber, wenn es mal darauf ankommt, hinter die Diktatoren, wie Mubarak. Oft stimmt das auch, aber in diesem Fall kehren die USA ja Mubarak, dem treuesten Verbündeten des Westens unter den Arabern seit 30 Jahren, den Rücken, zumindest öffentlich. Was im Geheimen läuft, wird man sowieso erst in einigen Jahren erfahren, aber bei den öffentlichen Verlautbarungen zeigen die USA eine seltene Konsequenz. Deshalb sind seine antiamerikanischen Slogans nichts weiter als die Nutzbarmachung antiamerikanischer und antiwestlicher Ressentiments der Massen für seine eigenen politischen Zwecke. Und das sollte schon misstraurisch stimmen.

Zweitens: während Mubarak und Suleiman als westliche Spione und amerikanische oder zionistische Statthalter gebrandmarkt werden - weil etwa Suleiman von Berufs wegen mit den Geheimdiensten zu tun hat, und sicherlich auch mit den israelischen, und Mubarak sich an den Friedensvertrag mit Israel hält - hat die Opposition ausgerechnet einen El Baradei an ihre Spitze gesetzt, der den Grossteil seiner Kariere im Ausland, in den amerikanischen und europäischen Büros internationaler Organisationen verbracht hatte, über eine akademische Bildung verfügt und überhaupt für die analphabetische Basis der Moslembrüder viel zu elitär und aristokratisch und eher suspekt sein muss. Man sollte auch nicht davon ausgehen, dass - sollte das Regime fallen - die Moslembrüder ihn weiter selbstlos unterstützen werden, sie betrachten ihn als Zwischenstation auf dem Weg zur eigenen Machtergreifung, eine Art Treppe zur Macht, die dann leichter zu beseitigen ist, als das alte Regime direkt, das seit einer Woche den Protesten Paroli bietet. Denn sie wissen: das Regime wird mit El Baradei verhandeln, mit ihnen selbst - nie. Unter den letzten Meldungen gibt es die Nachricht, dass das Regime mit El Baradei auch tatsächlich verhandele. El Baradei  hat mit den Steinzeitsislamisten wenig am Hut und nichts gemeinsam, ausser einer allgemeinen antisemitischen Veranlagung und dem Streben nach der Macht. Der brave Kämpfer für Demokratie und Freiheit Mr. El Baradei aus Wien wird, sollte er sein Ziel erreichen, freie Wahlen ausrufen müssen, und ob er sich dann gegen die eigentlichen Islamisten durchsetzt, ist unwahrscheinlich. El Baradei ist das Gleitmittel der Islamisten auf dem Weg zur Macht.

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