Mittwoch, 26. Januar 2011

Optionen des Westens im asymmetrischen Krieg

Uns allen ist der Terminus des asymmetrischen Krieges bekannt: die westlichen Demokratien haben schlagkraeftige demoralisierte Armeen mit unfaehigen und infantilen Staatsfuehrungen - die islamsichen Staaten haben unfaehige Armeen diktatorischer Remige, sind aber durchsetzt von gutorganisierten und schwer greifbaren Terrorgruppen, die sich zunehmend auch im Westen einnisten, und gegen die der Westen mit seiner konventionellen Kriegsfuehrung nichts ausrichten kann. Was tun? Wenn der Westen im asymmetrischen Krieg keine Chance hat, dann gibt es nur eine Moeglichkeit, das Blatt zu wenden: die Symmetrie wiederherstellen. Dabei gibt es, abstrakt betrachtet, zwei Varianten: die eine heisst der legitime Gegenterror und wird von den westlichen Geheimdiensten CIA, MI6, Mossad u. a. in Afganistan, Pakistan und im Iran mit maessigem Erfolg auch praktiziert. Der Nachteil: dieser Krieg ist unendlich, was sich auch in den genannten Laendern und anderswo tagtaeglich zeigt. Und was terroristische Methoden betrifft, ist der Islam dem West uneinholbar voraus.
Die zweite Variante der Herstellung der Symmetrie waere es, eine Transformation der Terrorbewegungen in staatstragende Regime zuzulassen bzw. gar zu foerdern, um mit ihnen dann die Sprache zu sprechen, die der Westen beherrscht - den konventionellen Krieg. Nur: wenn der Westen dazu nicht bereits ist, dann sollte er seine Finger von den Regimen wie Mubarak und den beiden Abdullahs in Jordanien und Saudi-Arabien lassen und mit seinem Gerede von "mehr Demokratie"aufhoeren. In der islamsichen Welt sind nur totalitaere Demokratien moeglich, so eine hatte der Westen zwischen '33 und '45. Es gibt allerdings Ausnahmen: in den Staaten, die bereits ein Nuklear- bzw ABC-Potential haben - Pakistan - ist diese Strategie aus plausiblen Gruenden wenig ratsam. Deshalb kommt dort nur das erste Szenario zur Anwendung.
Die Terrorbewegungen, die am Ziel ihres Weges angelangt sind, an der Macht, haben kein Interesse, sie zu verlieren und werden sofort umsichtiger und zwangslaeufig "gemaessigter", nach Innen wie nach Aussen. Das ist der Grund, warum die Hisbollah, die sich jetzt um den Machterhalt und nicht mehr um die Machtergreifung bemueht, kein Interesse daran haben kann, sich wieder mit Israel anzulegen - sie hat die Souveraenitat im und die Verantwortung fuer das ganze Land. 2006, als der "Widerstand" am libanesischen Staat vorbei handelte, war das anders. Jetzt ist die Hibollah, verkuerzt ausgedrueckt, selbst Staat und muss im Falle einer Eskalation oder an der Schwelle zum ABC-Potential mit einer gruendlichen symmetrischen Antwort rechnen. Danach waere wieder ein "gemaessigtes" Regime dran, und es wuerden viele Jahrzehnte vergehen, bis das Spielchen wieder von vorne beginnt. Der Libanon ist aus der westlichen Einflusssphaere in die iranisch-syrische entglitten, was, wenn man das Obige zugrunde legt, aus sicherheitspolitischer Perspektive mehr Vor- als Nachteile hat. Israel haette mit einem Hisbollah-Staat viel weniger Probleme, als mit der schiitischen Miliz im Untergrund und dem schwachen Staat im Vordergrund, der in seinem Umgang mit den Terroristen immer ambivalent war.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen