Sonntag, 16. Januar 2011

Tunesien - wer ist der Naechste?

Israels Entwicklungsminister und Vize-Premier Silvan Schalom hat Besorgnis in Bezug auf den Regime-Sturz  in Tunesien und seine Auswirkungen auf die Region geaeussert. Schalom, der selbst aus der tunesischen juedischen Gemeinde stammt, hat auf die Gefahr hingewiesen, dass islamistische Bewegungen das Interregnum fuer sich nutzen und womoeglich die ganze Macht an sich reissen koennten. Ausser dieser Bemerkung Schaloms hat sich Israel mit der Bewertung der Lage in Tunesien bislang zurueckgehalten. 
Man darf aber nicht uebersehen, dass die aermeren arabischen Regime - die sich nicht allein durch die Rohstoffexporte ueber Wasser halten koennen - zunehmend in Bedraengnis geraten, und dass es gerade den stillen Hafen der arabischen Welt, Tunesien, und das Regime Ben Ali, das dort seit 23 Jahren regierte, getroffen hat, ist Anlass genug fuer die anderen arabischen Despotien, ueber ihre eigene Zukunft nachzudenken. Libyen hat als bislang einziges arabisches Land die Revolte im Nachbarland verurteilt, die Tunesier haetten noch drei Jahre warten muessen, hat Muammar al-Gaddafi mitgeteilt, denn zu diesem Zeitpunkt habe Ben Ali seinen freiwilligen Machtverzicht angeboten - aber das haette er ihnen vorher sagen sollen, denn jetzt ist es zu spaet. 

Die Regime in Aegypten, Katar, Saudi-Arabien und die Ansammlung in Ramallah haben den Sturz Ben Alis begruesst - man muesse den Volkswillen der Tunesier respektieren. Die andere arabischen Fuehrer warten ab. Vor allem in Jordanien und Aegypten ist die Wirtschaftslage prekaer, die Probleme sind mit denen in Tunesien beinahe deckungsgleich - Hyperinflation, Arbeitslosigkeit und die korrupten verkrusteten Regime, die dagegen nichts ausrichten koennen, ausser Finanzhilfen aus dem Ausland zu akquirieren. Am Freitag gab es in Jordanien Massendemonstrationen gegen die Hyperinflation bei den Lebensmittelpreisen und die Wirtschaftsmisere. In Aegypten fragten die oppositionellen Moslembrueder Mubarak in ihren Sprechchoeren, ob er schon ein Flugzeug fuer die Flucht vorbereitet habe. Im Gegensatz zu Katar und Saudi-Arabien haben das "gemaessigte" haschemitische Koenigshaus und das Regime Mubarak keine unlimitierten Oeldollars, mit denen sie die Duldung durch das Volk kaufen koennen.

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