Freitag, 11. Februar 2011

In Ägypten droht Bürgerkrieg

Äg. Soldat hört Mubarak-Rede zu, reuters
Reuters zitiert die Einschätzung von Prof. Robert Springborg, einem Nahostexperten von der US Naval Postgraduate School, dass die beiden Reden, Mubaraks und Suleimans, weniger dazu gedient haben, die Situation zu beruhigen, wie viel mehr, um einen Showdown zu erzwingen, der in einer Militärregierung enden werde. Der Präsident, sein Vize und mindestens grosse Teile der Armee-Führung "riskieren damit nicht nur den Zusammenhalt der Armee, sondern auch, und ich verwende diesen Begriff mit Bedacht, einen Bürgerkrieg."

Dieses Szenario ist durchaus realistisch, wenn man die gegenwärtigen Tendenzen hochrechnet: z Z blockiert die Menge das Gebäude des Staatsfernsehens und andere Regierungseinrichtungen, morgen wird nach den Freitagsgebeten die Lage mit Sicherheit nochmals eskalieren, und der Moment rückt näher, in dem das Militär wird Farbe bekennen müssen. Sollte es auch noch zur Spaltung der Armee in ihrem "Mittelbau" und "unten" kommen - bereits in früheren Stadien  solidarisierten sich einige Soldaten und Offiziere offen mit den Demonstranten - wäre der Bürgerkrieg kaum mehr abzuwenden. Beide Seiten pokern sehr hoch. Man darf auch nicht vergessen, dass Mubarak seine Ansprache, dem Duktus nach, in erster Linie nicht an die angebliche oder tatsächliche Million auf dem Tahrir-Platz gerichtet hat, sondern an die grosse schweigende Mehrheit der Ägypter, die das Geschehen an den Fernsehbildschirmen verfolgen und sich an den Protesten nicht beteiligen. Während die Protestler Mubarak Blindheit und Realitätsverlust vorwerfen, rechnet Mubarak damit, dass eine absolute Mehrheit der Bevölkerung hinter ihm steht und er sich den Protesten nicht fügen muss und soll.

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