Mittwoch, 16. Februar 2011

Sicherheitsarchitektur in Nahost stürzt ein

In der Nacht zum Donnerstag passier[t]en zwei iranische Kriegsschiffe den Suez-Kanal, erst gestern hatte Israels Verteidigungsminister Barak erklärt, dass der Sturz des verbündeten Regimes in Ägypten "keine militärischen Implikationen" haben werde, meldet Debka. Laut Arutz 7 hat die ägyptische Kanalverwaltung am Abend bestritten, dass "feindliche Schiffe" den Kanal passiert hätten. 
Seit dem Fall des Schah-Regimes und dem Sieg der islamischen Revolution im Iran 1979 hat kein einziges iranisches Kriegsschiff den Suez-Kanal Richtung Mittelmeer passiert. Besonders in den letzten Jahren der Ära-Mubarak hat sich das Verhältnis zwischen dem grössten arabischen Land und dem Iran zunehmend verschlechtert, im Sommer 2009 fuhr bekanntlich ein strategisches israelisches U-Boot durch den Suez-Kanal in Richtung Rotes Meer, die Saudis und die Ägypter hielten erst im Oktober gemeinsame Militärübungen "Tarbuk" ab, in der ägyptischen Wüste wurde ein Präventivkrieg gegen den Iran geübt. Niemand konnte vorhersehen, dass 4-5 Monate später Ägypten den iranischen Revolutionsgarden die Durchfahrt durch den Suez gestatten wird. Und: die beiden iranischen Kriegsschiffe, die Fregatte "Alvand" und der Kreuzer "Kharg" , hatten am 6. Februar auf dem Weg in den Suez im saudischen Hafen Jeddah am Roten Meer zwischengehalten, was auch ein Novum ist: noch nie hatte Saudi-Arabien einen seiner Häfen für iranische Militärschiffe geöffnet. Der Fall Mubaraks hat also nicht nur "keine" [Barak], sondern ganz gravierende militärische und sonstige Implikationen. Aussenminister Lieberman hat heute von einer gezielten Provokation gesprochen. Die iranischen Schiffe werden an Israel vorbeifahren und voraussichtlich in einem der syrischen Häfen andocken, sehr wahrscheinlich in Tartus.
Der greise und kranke saudische König Abdullah hat schnell verstanden, dass seine Situation von der Mubaraks sich nicht allzu sehr unterscheidet, ausser den Öldollars, mit denen er die drohenden Proteste zustopfen könnte, wie es der König von Bahrain tut. Wie Bahrain hat auch Saudi-Arabien eine mächtige schiitische Binnenfront, die immer wieder aufflammt, besonders an der Grenze zum Jemen. Aber vor allem: er darf nicht nur zweifeln - er kann getrost davon ausgehen, dass der jetzige US-Präsident ihn genauso wie eine irrentable Aktie abstossen wird, wie er es mit Mubarak getan hat. Und da ist es besser, lieber nicht auf Kriegsfuss mit dem Iran zu sein, mag sich König Abdullah gedacht haben. Denn Ahmadinedschad hat einen wesentlichen Vorzug gegenüber Hussein: er verrät seine Verbündeten nicht, das merkt man im Libanon, in Syrien, in Gaza, in der Türkei, in Venezuela. Nach dem vom Weissen Haus geförderten Regime-Sturz in Kairo ist die gesamte Sicherheitsarchitektur im Nahen und Mittleren Osten ins Wanken geraten - zuungunsten des Westens, aber zu allererst: zuungunsten Israels.

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