Sonntag, 27. Februar 2011

Stabilisierende Massnahmen in Saudi-Arabien, Libyen und Israel

Schalom, Netanjahu
Jede Regierung in Nordafrika und Nahost  treibt - sofern sie noch an der Macht ist - gegenwärtig nur eine einzige Frage um: wie sie den Volkszorn zähmen bzw. die Massenaufstände vermeiden könnte. Jedes Land hat seine eigenen mehr oder weniger begrenzten Ressourcen. In Algerien hat das Regime Bouteflika die Notstandsgesetzgebung ausser Kraft gesetzt. Wer viel Geld hat, verteilt Geld, wie gegenwärtig die Könige Saudi-Arabiens und Bahrains. Der saudische König Abdullah hat nach seiner Rückkehr nach der dreimonatigen ärztlichen Behandlung in den USA - und wohl nach der gewonnenen Einsicht, dass er die Unruhen nicht in New York wird aussitzen können - umgehend ein soziales Hilfspaket geschnürt: 37 Billionen $ werden für Lohnerhöhungen im Staatsdienst, Stipendien, Wohngeld etc. ausgegeben, berichtet Arutz 7. Er hat ferner drei schiitische Kleriker aus der Haft entlassen, als Geste des guten Willens gegenüber der weitgehend entrechteten schiitischen Minderheit. Damit hofft der saudische Monarch, die drohenden "Tage des Zorns", von denen es im saudischen Facebook wimmelt, abzuwenden und an ihrer Stelle Tage der Liebe zu ernten. Auch Oberst Gaddafi hat Geld und verteilt es an die Getreuen, zusammen mit Waffen und Munition. In einer Art "Refer a Friend"-Aktion bietet er jedem, der zur Waffenausgabe in den Volkskomitees drei Freunde mitbringt, zusätzlich ein Auto, von dem aus sie auf die Regime-Gegner schiessen können, aber ansonsten auch privat nutzen können. Unter seinen Söldnern gilt ein gestaffeltes Bonussystem, je nach Liquidierungserfolg. 

Gott sei dank ist es in Israel noch lange nicht so weit, dass vor lauter Armut und Verzweiflung auf dem Rabin-Platz die Falafelbuden gestürmt werden, es wird auch, leider, nicht für den Regime-Change und die Wiedereinführung des Königreichs demonstriert, die Wirtschaft wächst überdurchschnittlich, trotz der künstlich aufrechterhaltenen Medienhysterie um die hohen Preise und die Inflation reicht es den Meisten für das Meiste. Und selbst das Verkaufsverbot für alkoholhaltige Getränke nach 23:00 hat nicht zu einer Revolutionssituation geführt. Aber auch in Israel denken die politisch Verantwortlichen über die eine oder andere Massnahme nach, die dem Volk gefallen könnte. Vize-PM Silvan Schalom hat sich mit dem Vorhaben gemeldet, das Wochenende um einen weiteren Tag, den Sonntag, zu verlängern. Dies würde die israelische Arbeitswelt mit dem Rest der Welt synchronisieren, die erwerbstätige Bevölkerung hätte mehr Zeit sich zu regenerieren, wäre damit zufriedener und ginge motivierter wieder an die Arbeit. In seiner Zeit als Finanzminiter habe er, so Schalom, die wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Reform mit anderen Experten durchgerechnet und sei zum Schluss gekommen, dass sie sich lohnt. Der Arbeitsausfall am Sonntag müsste aber teilweise mit der Arbeitszeitverlängerung an den restlichen 4,5 Arbeitstagen kompensiert werden. Aber dennoch: drei Tage länger schlafen? Dagegen ist nichts einzuwenden.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen