Donnerstag, 3. März 2011

Papst weist "Gottesmordvorwurf" gegen Juden zurück

Papst Benedikt XVI hat in seinem neuerschienenen Buch "Jesus von Nazareth: Zweiter Teil: Vom Einzug in Jerusalem bis zur Auferstehung" die Grundsatzentscheidung des zweiten Vatikanischen Konzils [Nostre Aetete] aus dem Jahr 1965 bestätigt, wonach Juden als Volk nicht für den Tod von Jesus schuldig gesprochen werden können. In einem der Argumentationsstränge erklärt Benedikt, dass die im Johannesevangelium erhobenen Vorwürfe nicht Juden als Volk treffen können, weil Jesus sowie Johannes, wie die meisten Frühchristen, selbst Juden waren. Der gerechte Papst Johannes Paul II, der Juden als "ältere Brüder der Christen" bezeichnete, schrieb im 597 Katechismus der Katholischen Kirche: "die historische Komplexität des Prozesses Jesus' ist in den evangelischen Aufzeichnungen offensichtlich. Die persönliche Sünde der Beteiligten [...] ist Gott allein bekannt."
Die Vertreter jüdischer Organisationen weltweit haben die Befunde Benedikts begrüsst, Premierminister Netanjahu hat in einem persönlichen Schreiben dem katholischen Kirchenoberhaupt dafür gedankt, "falsche Anschuldigungen zurückgewiesen zu haben, die jahrhundertelang Grundlage für den Hass gegen Juden bildeten."  Beobachter in Israel weisen darauf hin, dass Benedikt in dieser Frage zwar nichts grundlegend neues im Vergleich zur bestehenden Haltung der Kirche ausgesprochen hat. Allerdings misst man dieser Klarstellung des Papstes deshalb einen hohen Stellenwert bei, weil dessen ambivalente Haltung zu den traditionalistischen Strömungen innerhalb der Kirche als Rückschritt im interreligiösen Dialog gewertet wurde.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen